Der österreichische Markt für Vermögensverwaltung steht vor einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Steigende regulatorische Anforderungen, wachsender IT-Aufwand und ungelöste Nachfolgefragen erhöhen den Druck auf viele kleinere und mittlere Anbieter. Vor diesem Hintergrund ist die Übernahme der WSS Vermögensmanagement durch Swiss Life Select zu sehen. Für beide Seiten ist die Transaktion weit mehr als ein klassischer Wachstumsschritt. "Für uns ist das ein konsequenter nächster Schritt", sagt Swiss-Life-Select-CEO Christoph Obererlacher. Ziel sei es, das Wealth-Management-Geschäft weiter auszubauen und vermögende Kundinnen und Kunden noch umfassender zu betreuen.

Regulatorik als Belastungsprobe
WSS-Gründer und -Geschäftsführer Markus Weissörtel sieht die Hauptmotivation der Partnerschaft vor allem in den steigenden Anforderungen an kleinere Marktteilnehmer. Themen wie Regulatorik, IT, Dokumentationspflichten oder DORA würden inzwischen enorme Ressourcen binden.

"Je mehr Zeit man für diese Themen aufbringen muss, desto weiter entfernt man sich von dem, was man eigentlich kann und machen will", sagt Weissörtel. Ziel der Partnerschaft sei es daher, sich wieder stärker auf Kundenbetreuung und Vermögensmanagement konzentrieren zu können. Besonders belastend sei der organisatorische Aufwand hinter Geldwäscheprüfungen, Sanktionslisten oder laufenden Kontrollen. Laut Weissörtel brauche man heute selbst mit 1.500 Kunden bereits automatisierte Prozesse, wie sie früher vor allem Banken eingesetzt hätten.

Markt vor weiterer Konsolidierung
Beide Gesprächspartner rechnen damit, dass sich der Konsolidierungsprozess in der Branche in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen wird. Vor allem kleinere und mittlere Vermögensverwalter würden zunehmend an strukturelle Grenzen stoßen. "Ich bin überzeugt, dass der Konzentrationsprozess in unserer Branche in den nächsten ein bis zwei Jahren deutlich Fahrt aufnehmen wird", sagt Weissörtel. Viele Anbieter unterschätzten noch immer, wie stark die regulatorischen und technischen Anforderungen weiter steigen würden.

Auch Obererlacher sieht erheblichen Veränderungsdruck im Markt. Viele Häuser würden zu lange warten, obwohl Nachfolgefragen und organisatorische Herausforderungen immer dringlicher würden. Swiss Life Select wolle deshalb gezielt weitere Partnerschaften im Bereich Portfoliomanagement prüfen.

WSS bleibt eigenständig
Ein zentraler Punkt der Verhandlungen war laut beiden Seiten der Erhalt der Unternehmenskultur und der Investmentphilosophie der WSS. Die Gesellschaft soll auch künftig eigenständig agieren und ihre Spezialisierung auf vermögende Unternehmerkunden beibehalten. "Wenn man diese DNA verliert, dann verliert man das, was das Unternehmen ausmacht", betont Weissörtel. Entscheidend sei gewesen, dass Entscheidungsfreiheit und individueller Portfoliomanagement-Stil erhalten bleiben.

Swiss Life Select sieht die WSS künftig als eigenständigen Wachstumshub im Portfoliomanagement. Synergien sollen vor allem in den Bereichen IT, Regulatorik, Operations und Research entstehen.

Fokus auf anspruchsvolle Kunden
Die WSS betreut heute rund 1.500 Kunden und verwaltet etwa 750 Millionen Euro. Der Schwerpunkt liegt auf vermögenden Unternehmerkunden und individueller Portfolioverwaltung mit Fokus auf Risk Assets wie Aktien oder Unternehmensanleihen. Obererlacher hebt insbesondere die hohe fachliche Kompetenz des Teams hervor: "Da sind erfahrene Private Banker, Senior Portfolio Manager und Menschen mit jahrzehntelanger Branchenerfahrung an Bord." (gp)


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