Österreichs Wertpapierfirmen arbeiten vergleichsweise unauffällig, Fusionen oder Übernahmen sind heute eine Seltenheit. Die Konsolidierung des Marktes fand schon vor Jahren statt, und das Geschäft verteilt sich mehrheitlich auf einige wenigen Haftungsdächer. Die Mitte Juli publizierte Nachricht, dass Supris-Eigentümer Werner Barwig sein Unternehmen an Manfred Drennig verkauft, erregte daher einige Aufmerksamkeit. Der ehemalige Länderbank- und Bank-Austria-Vorstand ist seit 2002 gemeinsam mit dem Industriellen Josef Taus Gesellschafter der Privatconsult Vermögensverwaltungsgesellschaft in Wien. Das Unternehmen agiert nicht nur als Vermögensverwalter, sondern ist auch ein Haftungsdach für Vermögensberater. Supris passte somit gut in Drennigs Portfolio. 

Der mittlerweile 79-jährige Unternehmer suchte bereits seit geraumer Zeit nach einem möglichen Übernahmekandidaten unter den heimischen Wertpapierfirmen, da die Branche seiner Meinung nach einem massiven Druck der "Economy of Size" unterliegt. "Wir sehen uns alle einem zunehmenden Maß an Vorschriften gegenüber. Als kleine Boutique kann ich die gesamten Arbeiten, die damit verbunden sind, kaum noch erfüllen. Die Kostenstruktur erzwingt also permanent steigende Mindestvolumina, um in der Branche bestehen zu können. Es gibt zwar immer noch etliche Unternehmen, die hier im kleinen und bescheidenen Rahmen arbeiten, aber auch diese brauchen interne und externe Ressourcen, die die rechtskonforme Erbringung von Wertpapierdienstleistungen sicherstellen und somit die Gesamtheit aller rechtlichen Vorgaben erfüllen."  Für Drennig steht daher fest: "Umso größer man als Wertpapierfirma ist, desto leichter kann man diese Kosten bewältigen. Daher kann ich nicht warten, bis es zu spät ist. Ich bin vor allem kein reinrassiger Teenager mehr, daher musste ich die Gelegenheit beim Schopf packen und habe Supris gekauft."

Chance für die "von Banken unabhängigen Vermögensberater"
Für die Branche sieht Drennig dabei durchaus langfristiges Potenzial, zudem kann er auch der aktuellen Corona-Krise etwas Positives abgewinnen. "In der Krise haben die Leute schließlich mehr persönlichen Betreuungsbedarf in finanziellen Angelegenheiten als sonst. Sie machen sich darüber Gedanken, wie sie ihr Vermögen ansparen und sichern können." Und hier liegt für ihn eine große Chance für die "von Banken unabhängigen Vermögensberater". Vor allem wenn diese an ein Haftungsdach angebunden sind, welches die Portfolioverwaltung anbieten kann. "Privatconsult hat diese Konzession, die uns die Tätigkeit der Vermögensverwaltung erlaubt. Hier liegt auch ein wichtiger Synergieeffekt im Hinblick auf die Übernahme von Supris. Denn in Zukunft sollen auch die Supris-Berater unsere vollumfängliche Vermögensverwaltung anbieten können."

Pläne für Supris 
Was die künftigen Pläne für Supris betrifft sieht Drennig im Moment keinen großen Handlungsbedarf. So erklärt der neue Eigentümer: "In der nächsten Zeit werden wir bei Supris gar nichts ändern. Auch in Zukunft werden Vertriebspartner von Supris deren Fondsuniversum wie gewohnt abwickeln können; zusätzlich sollen ihnen auch die Vermögensverwaltungen der Privatconsult zugänglich gemacht werden. Aktuell sind wir in der Phase, in der wir uns vor allem ansehen, wo es Synergieeffekte geben kann, etwa im Bereich der Vermögensverwaltung und bei unseren hauseigenen Investmentfonds. Wir versprechen uns aber auch einige Vorteile im Bereich der Technik und der Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen." (gp)


Das vollständige Gespräch mit Manfred Drennig lesen Sie in Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell, die den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt wird.