An der Wall Street könnten bald Maschinen das Sagen haben. Roboter, die Aktien analysieren, treffen jedenfalls profitablere Anlageentscheidungen als Menschen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine Studie von Wissenschaftlern der Indiana University. Das Fazit der Forscher: Robo-Analysten sind nicht nur schneller und günstiger als solche aus Fleisch und Blut, sondern auch erfolgreicher.

Die Studienautoren haben mehr als 76.000 Berichte aus den Jahren 2003 bis 2018 ausgewertet, die von sieben unterschiedlichen Robo-Analysten-Fintechs stammen. Sie fanden dabei heraus, dass automatisierte Aktienanalysedienste häufiger Verkaufsempfehlungen aussprechen und seltener zum Kauf raten als menschliche Analysten. Weil sie nicht voreingenommen sind und keinen Interessenskonflikten unterliegen, fallen ihre Empfehlungen ausgewogener aus als die ihrer menschlichen Kollegen, konstatieren die Forscher.

Druck auf menschliche Aktienprofis steigt
Die Empfehlungen von Robo-Analysten können "erhebliche Erträge für einzelne Anleger" generieren, sagen die Autoren der Studie. Ihre Erkenntnisse dürfen den Druck auf Finanzprofis aus Fleisch und Blut weiter erhöhen. Maschinen machen ihnen zunehmend die Jobs streitig. In den kommenden zehn Jahren könnte die Automatisierung an der Wall Street und im Bankensektor 200.000 Stellen kosten, schätzt Wells Fargo Securities.

Die Analysebudgets von Banken schrumpfen, der Mehrwert der Aktienanalyse steht auf dem Prüfstand. "Für uns ist diese Branche reif für Veränderungen", zitiert Bloomberg Studienautor Kenneth Merkley. Skeptiker führen dagegen an, dass Computerprogramme nicht in der Lage seien, feine Nuancen in Gesprächen wahrzunehmen und zu verstehen. (fp)