Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen oder Kundenakquise: Die Digitalisierung verspricht Unternehmen weltweit – ein erfolgreiches Konzept vorausgesetzt – einiges an Annehmlichkeiten. Damit die globale Konkurrenz die heimische Finanzbranche nicht abhängt, ging Österreichs Finanzmarktaufsicht FMA nun der drängenden Frage nach, wie gut die heimischen Finanzunternehmen bei diesem Thema aufgestellt sind. Befragt wurden dafür Versicherer, Pensions- und Betriebliche Vorsorgekassen, Kreditinstitute, Wertpapierdienstleister und -firmen sowie Vermögensverwalter. Heraus kam eine 68 Seiten starke Analyse, die an Umfang aber noch weiter wachsen soll. Die Behörde ruft Marktteilnehmer deshalb aktuell dazu auf, bis 10. Oktober 2019 Input zur Studie an digitalisierung@fma.gv.at zu übermitteln.

"Anschluss nicht verlieren"
Beim Stand der Digitalisierung zeigt sich dabei gleich ein gemischtes Bild. Ein Großteil der Unternehmen hat sich zwar organisatorisch und strategisch auf das geänderte Umfeld eingestellt. Etwa jedes fünfte Unternehmen hinke hier aber hinterher und habe die Digitalisierung kaum oder noch gar nicht in seiner Strategie berücksichtigt. "Insgesamt sehen wir, dass die Unternehmen sich bereits sehr intensiv mit digitaler Innovation befassen. Der Wettbewerb wird stärker und zunehmend global, und die heimischen Unternehmen dürfen den Anschluss nicht verlieren", mahnen die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller.

Effizienzsteigerung steht im Vordergrund
Mit Ausnahme von Banken sehen alle Sektoren Effizienzgewinne als bedeutendes Potential der Digitalisierung. Demnach überwiegt bei 100 Prozent der Pensionskassen und 77 Prozent der Wertpapierdienstleister der unternehmensinterne Fokus, was die Einschätzung der Potentiale der Digitalisierung angeht. Nur im Bankensektor überwiegt mit 88 Prozent ein besseres Kundenverständnis durch mehr Daten und Interaktionspunkte geringfügig die Möglichkeit von Effizienzgewinnen, die im Durchschnitt bei 80 Prozent liegt.

"Die Unternehmen am österreichischen Finanzmarkt sehen die Digitalisierung eher als evolutionären Prozess und erwarten mittelfristig keine disruptiven Veränderungen am Markt. Im Einsatz digitaler Technologien sieht ein Großteil der Unternehmen die Möglichkeit, Unternehmensprozesse effizienter zu machen", schlussfolgert die FMA.

Welche Technologien sind am weitesten verbreitet?
Die Verbreitung einzelner Technologien variiert je nach Sektor und Anwendungsbereich. Am weitesten verbreitet sind digitale Technologien in den Bereichen Vertrieb und Marketing. Etwa die Hälfte der Unternehmen bieten demnach ihre Dienstleistungen über spezielle Online-Portale für Kunden an, 39 Prozent haben dazu Apps für mobile Geräte entwickelt. Die Verwendung von E-Mails wird aus Gründen der Datensicherheit und des Datenschutzes in Zukunft wohl zurückgehen, erwartet die FMA.

Kundenkontakt über soziale Medien halten derzeit vor allem Versicherungen (70 Prozent). Auffällig sei, dass automatische Beratungssysteme – sogenannte Robo-Advisers – kaum von den etablierten Unternehmen entwickelt werden, sondern überwiegend von Fintechs.

Knapp die Hälfte der Institute (48 Prozent) setzt auf Cloud-Services für die Bereitstellung von IT-Infrastruktur und IT-Leistungen. Bis 2021 sollen es zwei Drittel sein. Komplexere Technologien zur Datenanalyse sind derzeit vor allem bei Banken und Versicherungen ein Thema. In den kommenden zwei Jahren will etwa die Hälfte der Versicherer (46 Prozent) und Banken (55 Prozent) Machine Learning in ihren Produktivsystemen einsetzen. Die Anwendung von künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologie beschränkt sich gegenwärtig noch auf vereinzelte Anwendungsfälle. (cf)