Bei Anlageentscheidungen kann man sich auf seine Freunde verlassen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine internationale Gruppe von Volkswirten in einer Studie für das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE. Mit Hilfe von Daten einer Onlinebank habe man positive Gruppeneffekte im persönlichen Umfeld nachweisen können, teilt das Institut mit. "Im Ergebnis zeigt sich, dass Personen, die Empfehlungen von Freunden bei der Entscheidung über eigene Geldanlagen folgten, von einer höheren Portfolioqualität zu profitieren scheinen", schreiben die Ökonomen.

Dass soziale Verbindungen Einfluss auf die generelle Teilnahme am Markt mit risikobehafteten Anlagen haben können, war bereits untersucht worden. Im SAFE Working Paper No. 353 (externer Link) beschäftigen sich die Forscherinnen und Forscher nun mit der Frage, wie gut die Anlagetipps sind. "Dabei wurden Recommender-Follower-Paare untersucht, die bereits vor der Empfehlung miteinander verbunden waren", heißt es in der Pressemitteilung. "Über einen Internetlink oder über Facebook empfahlen Personen – Recommender – ihren Onlinebroker an Personen aus dem persönlichen Umfeld – Follower."

Ratschläge sorgen für diversifiziertere Portfolios
"Freunde können gute Ratgeberinnen und Ratgeber bei der Anlageentscheidung sein", sagt Andreas Hackethal, Leiter der Forschungsabteilung Household Finance bei SAFE und Co-Autor der Studie. Für die Untersuchung wurden 515 Follower-Portfolios ausgewertet. Den Forschern zufolge waren diese Depots besser strukturiert als die anderer Personen mit gleichen demografischen Merkmalen, aber ohne entsprechende Empfehlung aus dem sozialen Umfeld. "Wer auf die Empfehlung des Onlinebrokers reagiert hat, wies im Schnitt ein diversifizierteres Portfolio auf", erklärt Hackethal.

Auf einen Gruppeneffekt lasse sich durch die ähnlichen Investmentstrukturen von Personen schließen, die eine Empfehlung gaben, und denjenigen, die die Empfehlung annahmen. Dieser Effekt lege nahe, dass auch Informationen zu konkreten Anlagen im sozialen Umfeld ausgetauscht werden, so die Forscher. So hätten die Follower in Anlageinstrumente wie offene Investmentfonds investiert und wiesen besser diversifizierte Portfolios auf. Die Anlagen der Follower hatten zwar einen höheren Risikoanteil, die bessere Sharpe-Ratio (das Verhältnis von Überrendite und Volatilität einer Geldanlage) deutet aber darauf hin, dass eine Mehrrendite im Vergleich zur risikolosen Anlage eingefahren wurde.

Persönliche Verbindungen helfen
"Anlageentscheidungen sollten nicht gedankenlos im reinen Vertrauen auf Freunde getroffen werden, aber persönliche Verbindungen können helfen, wertvolle Informationen zu erhalten", sagt Hackethal. Durch die sozialen Verbindungen könne sich gleichermaßen auch ein Investmentverhalten ausbreiten, das eine niedrigere Portfolioqualität mit sich bringt, warnt der Finanzprofessor. Dies sei bei der Untersuchung aber seltener der Fall gewesen.

Aufgrund der demografischen Zusammensetzung der Stichprobe seien die Ergebnisse nicht generell übertragbar, betont das Team um Hackethal. Die beobachteten Recommender sind demnach beispielsweise selbst eher wohlhabend und haben häufig qualitativ hochwertigere Portfolios. Weiterhin beschränkt sich die Untersuchung auf Daten einer einzigen Onlinebank. (bm)