Die Aktien von Unternehmen, die zu erheblichen Teilen in Familienbesitz liegen, bieten eine deutlich höhere Rendite. Die bessere Performance fußt zudem auf einer stabileren und längerfristig orientierten finanziellen Grundlage als bei Nicht-Familienunternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des "Handelsblatt Research Institute", welche die Fondsgesellschaft BLI – Banque de Luxembourg Investments in Auftrag gegeben hatte.

Die Analysten rund um den Institutsleiter und früheren Wirtschaftsweisen Professor Bert Rürup untersuchten wichtige Kennzahlen von 40 börsennotierten europäischen Familienunternehmen und verglichen die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe aus ebenso vielen Nicht-Familien-AGs. Die Auswertung betrachtet die vergangenen 17 Jahre, da über diesen Zeitraum die Testgruppe mit 40 Mitgliedern konstant blieb. Diese deckt die Branchen ab, in denen Familienunternehmen besonders häufig vertreten sind, nämlich Automobil und Logistik, Konsumprodukte und Handel, Industrie sowie Immobilien und Bau ab.

Höhere Rendite, weniger Ausreißer
Bei der Aktienperformance hängen die Familienunternehmen die Vergleichsgruppe seit 2002 mit einen Wertzuwachs von 422 Prozent deutlich ab. Die Kontrollgruppe erreichte "nur" 303 Prozent Plus. "Besonders nach der Finanzkrise 2008 erzielten Familienunternehmen eine deutliche Mehrrendite", sagte Studienautor Jan Kleibrink bei der Vorstellung der Ergebnisse in Düsseldorf. Und er verweist darauf, dass die Performance der Nicht-Familienunternehmen von jeweils drei Out- und drei Underperformern geprägt wurde. Bei den Familienunternehmen beobachteten die Analysten hingegen keine sehr auffälligen Ausreißer.

Daneben betrachteten die Experten auch Kennzahlen wie Eigenkapitalquote und Eigenkapitalrendite sowie die Working-Capital-Ratio. Diese zeigt, welcher Anteil der kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das Umlaufvermögen gedeckt ist. Ein weiterer Blick galt dem dynamischen Verschuldungsgrad, der angibt, wie lange eine Firma braucht, um ihre Schulden aus dem Cash-Flow zu tilgen.

Auf einer soliden Kapitalbasis
"Dank einer hohen Eigenkapitalquote und einer nur mäßigen Verschuldung stehen Familienunternehmen auf einer soliden Kapitalbasis", resümierte Kleibrink die Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs. Auffällig sei auch, dass die Eigenkapitalrendite der Familienunternehmen über die Jahre relativ stabil geblieben sei. Bei den Nicht-Familienunternehmen lag die Kennzahl vor der Finanzkrise jedoch deutlich höher, brach in der Krise dann drastisch ein. Vor dem Hintergrund eines Schuldenabbaus und dem Aufbau größerer Eigenkapitalpolster bei Familienunternehmen bezeichnete Kleibrink die stabile Eigenkapitalrendite als bemerkenswert.

Die Analysten haben sich bei der Auswertung auf Unternehmen konzentriert, bei denen mindestens 25 Prozent der Unternehmensanteile in Familienhand liegen. Zudem setzten die Experten eine Höchstgrenze bei der Marktkapitalisierung von 25 Milliarden Euro, um Großkonzerne wie BMW oder Volkswagen auszuschließen. "Dies können aufgrund ihrer Struktur nicht wie Familienunternehmen im klassischen Sinne agieren", erläuterte Kleibrink den Schritt.

"Die Analyse bestätigt, dass Familienunternehmen eine langfristige Strategie verfolgen und nicht auf eine kurzfristige Steigerung des Unternehmenswerts setzen", hielt Institutschef Rürup fest. Dies münde in höheren Aktienrenditen bei einer zugleich soliden Aufstellung. Diese Eigenschaften könnten sich für langfristig orientierte Anleger durchaus auszahlen. (ert)