Stefanie Diller unterstützt Fach- und Führungskräfte dabei, ihren Auftritt authentisch und stilsicher zu gestalten – im Beruf und darüber hinaus. Auch bei Banken ist sie im Einsatz.


Frau Diller, warum ist es insbesondere für Bankmitarbeiter wichtig, auf einen gepflegten Kleidungsstil zu achten?

Stefanie Diller: Im Bankwesen ist Vertrauen die härteste Währung. Kleidung wirkt dabei wie ein stiller Türöffner: Sie entscheidet mit, ob wir als kompetent, zuverlässig und diskret wahrgenommen werden oder eben nicht. Gerade in einem Bereich, in dem es um Geld, Sicherheit und Seriosität geht, ist ein gepflegter Auftritt mehr als nur Äußerlichkeit. Er signalisiert dem Kunden: "Ich nehme mich und meine Verantwortung ernst." Und das ist die Basis jeder guten Geschäftsbeziehung.

Sie haben für die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg einen Dresscode entwickelt. Warum braucht eine Bank einen solchen Leitfaden?

Diller: Weil Wirkung zählt – auch in der Finanzwelt. Die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg ist genau deshalb auf mich zugekommen: Die Mitarbeitenden traten sehr unterschiedlich auf – von sehr klassisch bis zu freizeitlich. Ein einheitlich stimmiges Erscheinungsbild fehlte. Der Vorstand wünschte sich Klarheit, Professionalität und ein stilvolles Außenbild, das zur Marke passt. Ein moderner Dresscode liefert genau das: Er schafft Orientierung, ohne Uniformität zu erzwingen. Er gibt Mitarbeitenden Sicherheit im Auftritt und Kunden das Gefühl: "Ich bin hier gut aufgehoben." 

Differenzieren Sie bei Ihren Empfehlungen zwischen Mitarbeitern mit und ohne Kundenkontakt?

Diller: Unbedingt, denn wer im direkten Kundenkontakt steht, repräsentiert nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Bank. Hier muss der Stil besonders bewusst gewählt sein – er soll Seriosität, Souveränität und Nähe zugleich ausstrahlen. In internen Bereichen ohne Kundenkontakt kann der Dresscode legerer sein, solange er gepflegt und respektvoll bleibt. Es lohnt sich, ein gewisses Stilniveau zu wahren. Wer im Hoodie erscheint, während andere sich Mühe geben, sendet unterschwellig ein Signal: "Mir ist das hier nicht so wichtig." Kleidung beeinflusst auch die Dynamik im Team, sie kann Motivation fördern oder untergraben.

Wie kann man Kollegen, die sich eventuell unglücklich kleiden, dezent einen Tipp hinsichtlich ihres Outfits geben?

Diller: Stil ist ein sensibles Thema, denn Kleidung berührt immer auch das Selbstbild. Kritik wird schnell persönlich genommen. Deshalb ist es Aufgabe der Führungskraft, ehrlich, aber klar über den Weg der Wirkung zu sprechen – nicht über Geschmack. Ein möglicher Satz wäre: "In dem Outfit heute wirkst du sehr freizeitlich – das passt vielleicht nicht optimal zu unserem Kundenversprechen. Das gestern war dagegen toll!" Oder: "Dein Look heute wirkt eher privat als Business Casual. Wie empfindest du das selbst?" Wichtig ist: Solche Gespräche sollten nicht im Vorbeigehen geführt werden. Sie können bewusst Teil eines internen Austauschs sein – als offenes Thema im Teammeeting oder Einzelgespräch. Was ist erlaubt, was nicht, wo ist der Graubereich? Und: Führungskräfte sind Vorbilder. Wenn sie selbst unstimmig auftreten, verlieren alle Stilvorgaben an Glaubwürdigkeit.

Vielen Dank für das Gespräch. (mh)


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