Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihre Vorbereitungen für den digitalen Euro nach dem Ende der laufenden Planungsphase fortsetzen – mit dem Ziel, die neue digitale Währung in rund vier Jahren einzuführen.

Der EZB-Rat werde auf seiner Sitzung in dieser Woche im italienischen Florenz beschließen, die nächste Vorbereitungsphase einzuleiten, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach plant die Notenbank, den digitalen Euro im Jahr 2029 auszugeben – vorausgesetzt, es liegt bis dahin ein entsprechender rechtlicher Rahmen vor.

Rechtliche Hürden bremsen das Projekt
Die EZB hatte im Jahr 2023 eine zweijährige Vorbereitungsphase gestartet – in der Hoffnung, dass die Europäische Union in dieser Zeit die notwendigen gesetzlichen Grundlagen schaffen würde, um das digitale Pendant zu Banknoten und Münzen einzuführen. Bislang konnten sich nationale Regierungen und das Europäische Parlament jedoch nicht auf eine Regelung einigen.

Das größte Hindernis kommt laut "Bloomberg" aus der Europäischen Volkspartei (EVP), wo einige Abgeordnete lieber auf private Alternativen zur digitalen Lösung der EZB setzen würden.

Abhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern sorgt für Druck
Der politische Druck wächst jedoch: Viele Entscheidungsträger beklagen eine zu starke Abhängigkeit Europas von US-Unternehmen wie Visa, Mastercard und Paypal im Bereich des Einzelhandelszahlungsverkehrs.

Zudem befeuern Sorgen, dass von US-Präsident Donald Trump unterstützte Stablecoins auf Dollar-Basis in Europa an Bedeutung gewinnen könnten, die Diskussion zusätzlich.

Lagarde drängt auf strategische Unabhängigkeit
EZB-Präsidentin Christine Lagarde und andere Ratsmitglieder fordern schnelleres politisches Handeln, um die strategische Autonomie Europas in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen zu stärken. Diese Botschaft werde auch in der Kommunikation am Donnerstag (30.10.) zum Ausdruck kommen, heißt es aus EZB-Kreisen. 

Eine EZB-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. 

EZB-Direktor preschte mit Startdatum vor
Erstmals öffentlich hatte EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone den möglichen Starttermin 2029 im September genannt. "Mitte 2029 könnte eine realistische Einschätzung sein", sagte Cipollone damals.

Die laufende Vorbereitungsphase folgte auf eine zweijährige Untersuchungsphase, die 2021 begonnen hatte. (mb/Bloomberg)