Kaum ein Mensch möchte möglichst viel Gewicht auf die Waage bringen. Fondsmanager sehen das anders. Denn ein Maß des Erfolgs ist das Volumen des von ihnen gelenkten Portfolios. Je besser die Wertentwicklung und je mehr Geld Anleger in den Fonds schaufeln, desto mehr steigen auch Prestige und Einnahmen des dahinterstehenden Asset Managers. Doch Strategien können an Übergewicht erkranken und an der Geldflut allzu begeisterter Investoren  ersticken.

Doch wann ist ein Fonds zu groß? Mit welchen Beeinträchtigungen müssen Anleger rechnen, wenn ein Erfolgsportfolio zu rasch an Größe gewinnt? Eine generelle Faustformel gibt es nicht, denn Masse allein muss einem Fonds noch keine Probleme bereiten. Die Analysten der Ratinggesellschaft Morningstar haben daher Warnsignale und Anzeichen ausfindig gemacht, die auf eine ungesunde Gewichtszunahme hindeuten.

Eigene Grenze kennen
"Eine fixe Grenze lässt sich nicht ziehen", hält Tom Whitelaw vom Aktien- und globalen Managerresearch bei Morningstar zunächst fest. "Wann eine kritische Größe erreicht ist, hängt immer von der konkreten Strategie und dem Markt ab, in dem sich die Manager bewegen." Zudem sei kein Faktor allein ausschlaggebend. Je mehr Signale auf Rot stehen, desto eher sollten Fondsanleger jedoch Vorsicht walten lassen – und das Vor­gehen erfolgsverwöhnter Manager ­kritisch hinterfragen.


Welche weiteren Alarmsignale aufrütteln sollten und anhand welche konkreten Limits die Fondsanalysten berechnen, lesen Sie in im Heft 3/2019 von FONDS professionell. Angemeldete KLUB-Mitglieder finden den Artikel auch hier im E-Magazin.


Als ersten Schritt klopfen die Morningstar-Analysten daher ab, ob die Portfoliolenker selbst intern eine Grenze ­gezogen haben, ab der sie ihr Kapa­zitätsmaximum erreicht sehen und die Mittelzuflüsse eindämmen wollen. "Dabei geht es uns nicht unbedingt um die konkrete Zahl", erläutert White­law, "sondern darum, wie die Manager zu dieser Zahl gelangt sind."

Ein zentraler Aspekt ist die Liquidität. Ein offener Publikumsfonds muss stets Anteilsrückgaben der Anleger bedienen. Entsprechend sollten die enthaltenen Papiere gut handelbar sein. Hinzu kommt: Hält ein Fonds viele Anteile eines einzigen Titels, dominiert er unter Umständen den Markt – und kann im Krisenfall das Investment nicht oder nur mit erheblichen Abschlägen verkaufen.

Stets flüssig bleiben
Die Morningstar-Analysten rechnen solche Positionsgrößen selbst nach. Bei der Kalkulation beziehen sie nicht nur das Engagement des jeweiligen Portfolios, sondern auch die Bestände entsprechender Spezialfonds und Mandate sowie ähnlich gelagerter Fonds eines Anbieters ein. Vertreibt ein Haus etwa neben einem China- auch einen Asienfonds, prüfen die ­Rating-Experten, ob sich in diesen identische Titel finden. Wie hoch genau die Limits dabei liegen dürfen, variiert je nach Anlageklasse, aber auch nach Investmentstil und Marktphase, betont Whitelaw. ­

Um mögliche Engpässe zu vermeiden, wählen Fondsmanager manchmal den Weg, bei wachsendem Volumen andere Felder zu bestellen. So könnte etwa ein Nebenwertefonds auch in Aktien mittlerer Marktkapitalisierung investieren. Damit würde er die Grenzen dieser Nische überwinden und die Mittelströme bewältigen. Solange die Manager auch Erfahrung in dem erweiterten Universum mitbringen und hier überzeugend agieren können, stelle das per se kein Problem dar, meint Whitelaw. Wichtig ist auch, dass in der Portfoliosteuerung die Strukturen mitwachsen, um die Zuflüsse in Investments umsetzen zu können.

Ansturm abwehren
Um einen Ansturm der Anleger abzuwehren, haben Manager mehrere Möglichkeiten. Sie reichen vom Vermarktungsstopp bis hin zu "Strafgebühren" für Neuanlagen. Die ­Morningstar-Analysten sehen es dabei gern, wenn Manager eher zu früh als zu spät zu ­solchen Maßnahmen greifen. "Dann bleibt noch ­genug Rollstrecke auf der Landebahn übrig", meint Whitelaw. (ert)