Durch die Corona-Pandemie hat auch der Kontakt zwischen Kunden und Bank gelitten. 36 Prozent der Befragten in einer Untersuchung der Erste Bank durch das Imas-Institut sagen, dass sie weniger in die Filiale gehen. Dem gegenüber stehen allerdings nur 13 Prozent der Österreicher, die nun vermehrt elektronisch in Kontakt mit der Bank treten. Nicht alle Kunden wollen oder können also offenbar online ihre Finanzen regeln. Erste-Bank-Privatkundenvorstand Thomas Schaufler kündigte an, dass es ab Frühling Corona-sichere Outdoorschulungen geben soll, vor allem für Senioren, die sich beim Internetbanking noch nicht so wohl fühlen.

Versicherungen: "Müssen noch digitaler werden"
Insgesamt stellt die Pandemie die Banken bei der Vermittlung gewisser Finanzprodukte weiter vor Herausforderungen. So dürfte bei Erste Bank und Sparkassen beim Vertrieb von Versicherungen über den Bankschalter am Jahresende ein Minus herauskommen, wie Schaufler sagt. Man habe mit dem Kooperationspartner S-Versicherung/Wiener Städtische zwar angesichts des Lockdowns Prozesse digitalisiert. Hier müsse man aber noch schneller werden. "Wir sind da dran, das Ganze wesentlich digitaler aufzustellen", so Schaufler bei einem Pressegespräch.

Schaufler kündigte unter anderem an, dass die digitalen Beratungsgespräche in den kommenden Monaten verbessert werden sollen. Geplant ist etwa eine Lösung, bei der Kunden während des Gesprächs Fotos mit dem Handy machen und hochladen können, die der Betreuer dann spontan begutachtet. "Wir hatten viele Fälle, wo die Leute in der Videokonferenz ein Dokument in die Kamera gehalten haben und vom Betreuer wissen wollten, ob das geht", so Schaufler. Trotz der angestrebten Digitalisierungsmaßnahmen bleibe die Filiale aber "ein extrem wichtiger Bestandteil" im Vertrieb.

Anders als im Versicherungsvertrieb dürfte das Jahr beim Geschäft mit Wertpapieren sehr erfolgreich werden. Vor allem die Sparpläne hätten sich sehr stark gezeigt. Investmentseitig werde ein deutliches Plus am Jahresende stehen, so Schaufler.

Sparen sehr wichtig
Sparen ist derzeit in der Wahrnehmung der Österreicher extrem wichtig, wie die Umfrage der Bank zeigt. 79 Prozent der Befragten geben das an. So viele, wie nach der Finanzkrise 2009. Etwa 39 Prozent der Befragten sagen derzeit außerdem, dass sie weniger Geld ausgeben. Bei den Frauen sind es übrigens deutlich mehr, hier geben 43 Prozent weniger aus. Möglicherweise geht der Spargedanke auch zulasten von Alters- oder Pflegevorsorge – nur noch 43 Prozent sparen derzeit dafür. 2010 waren das noch 49 Prozent. Tendenziell etwas mehr wollen oder müssen die Österreicher hingegen für größere Anschaffungen wie Immobilien oder Auto ausgeben. Auch Urlaubsreisen gehören aber zu den Posten, wo man sich mehr leisten will.

Als wichtigste Alternative zum Sparbuch sehen die Befragten Immobilien an (69 Prozent), gefolgt von Lebensversicherung (67 Prozent) oder Bausparen (66 Prozent), danach kommen schon Wertpapiere mit 61 Prozent. Jeder Fünfte hat sich demnach mit Wertpapieren besonders in der Krise beschäftigt. Umso jünger, desto eher sind Wertpapiere sehr interessant, zeigt die Studie.  

Hohe Bargeldbestände
"Was mir wirklich Sorgen macht ist, dass wir noch immer einen massiven Anstieg an Cash in Österreich haben", so Schaufler, der auf den Wertverlust durch Inflation und kaum vorhandene Zinsen hinweist. Die rund 160 Milliarden Euro, die die Österreicher auf der Seite liegen haben, seien wegen der Unsicherheiten eher im Steigen begriffen.

Erste Bank und Sparkassen haben im Rahmen gesetzlicher Moratorien im Umfeld der Corona-Pandemie knapp 40.000 Kunden Stundungen im Ausmaß von 41 Millionen Euro gewährt. Weiteren 10.000 Kunden wurde freiwillig Aufschub im Wert von 31 Millionen Euro gewährt. Heuer sind angesichts solcher und staatlicher Hilfen die Insolvenzen in Österreich dramatisch zurückgegangen. Schaufler geht davon aus, dass sich die Kreditausfälle bei den Banken im ersten Quartal 2021 erhöhen, wenn die Unterstützungsleistungen weniger werden beziehungsweise, weil die Corona-Situation sich derzeit wieder verschärft.

Im Unternehmensbereich fokussiere man derzeit nicht nur auf die Kreditvergabe. "Wir haben gesehen, dass bei vielen KMU die Eigenkapitalausstattung relativ eng ist. Da wollen wir Restrukturierungsmaßnahmen anbieten, dass man sich auch auf der Eigenkapitalseite was überlegt. Außerdem beraten wir dahingehend, wie man das Geschäftsmodell mehr in Richtung Online ausrichten kann", so Schaufler. (eml)