Der US-Asset-Manager Neuberger Berman, der seit Kurzem unter der Marke Neuberger auftritt, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das Unternehmen wurde bereits 1939 gegründet und bietet eine breite Palette an aktiv gemanagten Fonds an, inklusive Private-Market- und Hedgefonds. In Deutschland ist der Vermögensverwalter schon seit 2014 aktiv. Im Retailsegment haben den Anbieter jedoch nur wenige Anleger auf dem Schirm.

Das soll Jesco Schwarz ändern. Der ehemalige Länderchef von GAM Investments ist seit Mai vergangenen Jahres bei Neuberger als Leiter der Intermediary Client Group für den Vertrieb der Retailprodukte in Deutschland und Österreich verantwortlich. In einem Gespräch mit FONDS professionell ONLINE berichtet Schwarz, wie er Neuberger "sichtbarer" machen möchte – und welche Produkte im Fokus stehen.


Herr Schwarz, wie groß ist Ihr Team im Retailvertrieb?

Jesco Schwarz: Wir sind insgesamt zu viert. Die beiden Kollegen, die die Vertriebsregionen Nord und Süd betreuen, kümmern sich primär um Vermögensverwalter und Multi-Family-Offices, aber auch um Maklerpools und Privatbanken. Hinzu kommt ein Kollege, der hauptsächlich für die Key Accounts zuständig ist. Ich bin deutschlandweit für die Regionalbanken im sogenannten Depot A und B zuständig, also Sparkassen, Genossenschaftsbanken und angeschlossene Institute, sowie für einige Key Accounts.

Haben Sie Flaggschiffprodukte, die Sie im Vertrieb nach vorne stellen? Auswahl gäbe es ja: Ihr Haus bedient viele verschiedene Anlageklassen, von Aktien über Anleihen und Immobilien bis hin zu Private Markets und European Long-Term Investment Funds (ELTIF).

Schwarz: Das kommt auf die Kundengruppe an. Wir bieten nicht jedem Kunden jeden Fonds an. Aber es gibt Kunden, nur als aktuelles Beispiel, zu denen ein ELTIF passt – und zu anderen gar nicht. Ich habe meine Ansprechpartner in den Sparkassen beispielsweise gefragt, was von uns sie interessiert. Da kamen sehr klare Rückmeldungen, welche Produkte für sie aktuell relevant sein könnten.

Und zwar?

Schwarz: Häufiger wurden globale Aktien genannt. Da hat Neuberger mit dem Global Equity Megatrends Fund ein passendes Produkt, der auch eine sehr gute Ergänzung zu gängigen ETFs und aktiven Fonds sein kann. Ferner sind der Neuberger Berman Short Duration Euro Bond Fund sowie der Euro Bond Absolut Return sehr gefragt. Auch unsere ELTIFs stoßen auf reges Interesse. Klassiker mit konstant hoher Nachfrage sind etwa unsere europäischen Hochzinsanleihen.

Und bei Vermögensverwaltern und den Pools?

Schwarz: Vermögensverwalter sind breiter aufgestellt. Bei ihnen können wir mit verschiedenen Aktienprodukten punkten, aber auch mit Themen wie europäische Hochzinsanleihen oder Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Bei ELTIFs kommt es drauf an: Einige finden das Produkt und die Investments sehr interessant, andere schließen sie kategorisch aus. Da ist noch Aufklärungsarbeit zu leisten. Pools, um auf Ihre Frage zurückzukommen, können wir aktuell aus Kapazitätsgründen nicht so intensiv betreuen, wie wir uns das wünschen würden. Österreich ist für uns ebenfalls ein wichtiger Markt, den wir aktuell verstärkt aufbauen. Wir sind zu viert, und wir möchten generell die Sichtbarkeit von Neuberger erhöhen. Hierzu bauen wir auch weitere Unterstützungsfunktionen auf. Im Retailsegment flog unser Unternehmen bisher zu lange unter dem Radar – das ändern wir jetzt.

Warum gelang es nicht, Neuberger in der Breite zu positionieren?

Schwarz: Das ist historisch gewachsen, das Haus hat sich lange auf institutionelle Kunden fokussiert – mit Erfolg, sonst würden wir nicht knapp 600 Milliarden US-Dollar verwalten. Eine meiner Aufgaben ist es nun, die sehr große Produktpalette, die Sie angesprochen haben, in die Breite zu tragen. Wir sind in Deutschland zudem eher für Private-Market-Investments bekannt. Das hilft uns zwar nicht unbedingt beim Vertrieb der liquiden UCITS-Fonds, dafür kommt uns aber der ELTIF-Trend entgegen, weil wir seit 40 Jahren an den Privatmärkten aktiv sind. Für uns sind etwa auch die Abwicklung und das Handling von ELTIFs, die andere Anbieter vor einige Herausforderungen stellen, keine böhmischen Dörfer. Diese Expertise können wir glaubhaft nach außen tragen.

Wie viele ELTIFs, die in Deutschland zugänglich sind, bietet Neuberger denn an?

Schwarz: Insgesamt sieben, davon fünf geschlossene, die vor der "ELTIF 2.0"-Reform 2024 gestartet wurden. Die beiden neuen sind "Evergreens". Die ELTIFs investieren in Private Equity und Infrastruktur. Allerdings bieten wir keine Multi-Asset-ELTIFs, die in jeden dieser Bereiche investieren. Das mag für Investoren auf den ersten Blick zwar attraktiv erscheinen, da sie dann an allen Bereichen partizipieren. Es verkompliziert die Beratung aber sehr und schränkt die Flexibilität des Beraters ein, individuell auf Kundenwünsche einzugehen.

Sie kooperieren bei ELTIFs mit dem Online-Vermögensverwalter Liqid: Hinter dem ELTIF Liqid Private Equity NXT steht Neuberger. Gibt es noch andere solcher Kooperationen?

Schwarz: Es finden tatsächlich viele Gespräche statt, da es bei ELTIFs einen strategischen Wechsel bei vielen Kunden gegeben hat. Anfangs dachten viele Finanzdienstleister, der Unterschied zwischen einem geschlossenen Fonds und einem ELTIF sei eher gering. Tatsächlich ist er sehr groß, unter anderem wegen des Managements der Liquidität und der Rücknahmen. Daher sind viele Marktteilnehmer doch auf der Suche nach Kooperationen, wie wir sie bieten können. Gut möglich, dass Sie dazu in diesem Jahr noch etwas von uns hören werden.

Wir danken für das Gespräch. (jb)