Der im Jahr 2018 eingeleitete Umbau der Finanzverwaltung sah unter anderem die Zusammenziehung der 40 bestehenden Finanzämter zum "Finanzamt Österreich" vor. Durch Zentralisierung statt örtlicher Zuständigkeiten sollte es zu Verbesserungen kommen. In der Praxis klappt das Konzept aber nicht reibungslos, wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtet.

Unter anderem sorgt eine laut Bericht seit Wochen bestehende mangelnde Erreichbarkeit von Auskunftspersonen für Unmut. Während Spezialfragen früher vergleichsweise einfach mit den zuständigen Sachbearbeitern gelöst werden konnten, führe die nun vorgegebene Hotline häufig ins Leere. Eine betroffene Bilanzbuchhalterin spricht in dem Artikel von einem "Riesenchaos".

Volksanwaltschaft sieht das Problem ebenfalls
Wer in die Warteschleife kommt und über eine Wartezeit von fünf Minuten informiert werde, müsse in der Regel damit rechnen, dass der Anruf gar nicht entgegengenommen wird, lautet das Anwender-Fazit aus der Praxis. Da werde abgenommen und gleich wieder aufgelegt, heißt es. Auch bei der Volksanwaltschaft würden etliche Akten dazu vorliegen, es gebe laufende Prüfverfahren. Es fehle an Mitarbeitern, Geld und Know-how.

Probleme ergeben sich dadurch insbesondere für steuerliche "Laien". In der Telefonzentrale würden nur jene weitergeleitet, die in der Lage seien, profund nachzufragen, wird die betroffene Buchhalterin zitiert. Das Problem: Sind Kleinigkeiten falsch, erfährt der Betroffene Steuerpflichtige das Monate später.

BMF: "Finanz Online wird gut angenommen"
Das Finanzministerium (BMF) betonte gegenüber der Zeitung, dass Finanz Online positiv angenommen werde. Standardfragen würden sich außerdem via Chatbot "Fred" klären lassen. Das BMF ortet demnach nur punktuell längere Wartezeiten infolge eines hohen Anfrage-Aufkommens. (eml)