Der Finanzdienstleister State Street rechnet damit, dass 2026 erstmals in Europa mehr börsengehandelte Fonds (ETFs) neu aufgelegt werden, die Elemente des aktiven Managements umfassen, als solche, die einfach nur einem Index folgen. "Aktive ETFs dürften 2026 zu den wichtigsten, wenn nicht sogar zum wichtigsten Produkttrend auf dem europäischen Markt gehören und damit den 2025 eingeleiteten Trend fortsetzen", schreiben die State-Street-Analysten in ihrem Ausblick auf den ETF-Markt.

Bislang nehmen aktive ETFs im europäischen Fondsmarkt noch eine Nischenstellung ein. Lediglich drei Prozent des in ETFs verwalteten Vermögens entfallen auf aktive Strategien. Zum Vergleich: In den USA, wo die Entwicklung deutlich weiter vorangeschritten ist, sind es bereits mehr als elf Prozent. Im vergangenen Jahr waren dort zudem 84 Prozent der ETF-Neuauflagen aktive Strategien, die 34 Prozent des gesamten ETF-Nettomittelaufkommens vereinnahmten. In Europa flossen 2025 lediglich rund zehn Prozent des Neugelds in aktive ETFs.

ETFs nicht mehr als Bedrohung betrachtet
Das State-Street-Team um den weltweiten ETF-Chef Frank Koudelka legt jedes Jahr einen Ausblick für den weltweiten ETF-Markt vor. Die Prognose des US-Finanzdienstleisters wird von Daten der Fondsratinggesellschaft Morningstar gestützt. Die Analysten zählten für das erste Quartal 2026 in Europa bereits 36 Neuauflagen von aktiven ETFs. Im vergangenen Jahr waren es 148.

Hinzu kommt, dass immer mehr traditionelle Fondsgesellschaften über den Weg der aktiven Strategien das ETF-Terrain betreten. "Asset Manager betrachten ETFs nicht mehr als Bedrohung für das aktive Management, sondern als den Vertriebsweg, der sich am besten skalieren lässt", kommentieren die State-Street-Autoren die Entwicklung.

Größere Rolle im Finanzsystem
Angesichts des starken Wachstums der ETF-Branche insgesamt sehen die Experten das Feld zudem an einem Scheidepunkt. ETFs würden nicht mehr nur als Anlagevehikel dienen, sondern seien zu einem zentralen Bestandteil der Finanzmärkte geworden. ETFs würden eine bedeutende Funktion einnehmen, "was Druck für die Branche mit sich bringt", so die Experten. Themen wie Liquiditätsmanagement oder Kapazitätsengpässe gewinnen demzufolge an Bedeutung.

"Das ETF-Wachstum hat einen Punkt erreicht, an dem die Größe die Diskussion verändert", sagt Jörg Ambrosius, Leiter Investment Services bei State Street. "Der Markt wächst zwar weiterhin, doch der Erfolg hängt zunehmend davon ab, ob Unternehmen in der Lage sind, in großem Maßstab zu agieren, Komplexität zu bewältigen und konsistent zu agieren, während ETFs eine immer größere Rolle im Finanzsystem einnehmen." (ert)