"Alt werden ist nichts für Feiglinge“ betitelte der deutsche Schauspieler und Showmaster Joachim "Blacky" Fuchsberger seine Biografie, die er nach seinem 80. Geburtstag publizierte. Der Satz, so gab er im Vorwort offen zu, stammt aber eigentlich von der US-Schauspielerin Mae West. Auch der Volksmund weiß längst, dass wir zwar alle lange leben wollen, aber niemand alt sein möchte.

Leider ändert das nichts daran, dass in der letzten Lebensphase Themen relevant werden, die man davor jahrzehntelang verdrängen konnte. Betroffen sind davon in Österreich laufend mehr Menschen. Aktuell liegt die Zahl der über 65-Jährigen bei 19 Prozent, gemessen an der Gesamtbevölkerung von 8,8 Millionen Einwohnern. In den kommenden 15 Jahren wird deren Anteil nochmals um sechs Prozent steigen, denn die zwischen 1956 und 1969 geborenen "Babyboomer" verabschieden sich nun laufend in den Ruhestand. 

In der Praxis der Finanzberatung rücken damit auch neue Themen in den Mittelpunkt. Sieht man sich etwa die Internetseite des oberösterreichischen Vermögensberaters Hermann Lehner an, so findet sich unter dem Punkt „Pension“ auch folgender Satz: "Rechtlich zunehmend von Bedeutung werden Vorsorge- und Verfügungsvollmacht und Patientenverfügung in Phasen eingeschränkter Selbstbestimmung." Damit spricht Lehner ein ebenso heikles wie wichtiges Thema offen an. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einer schweren Krankheit zu erkranken. Eine Patientenverfügung oder auch eine Vorsorgevollmacht kann dann im Ernstfall für die Angehörigen und einen selbst äußerst hilfreich sein. 

So meint etwa Wilhelm Margula, Spezialist zum Thema Patientenverfügung: "Jeder Berater kann und soll auf die Notwendigkeit von Vorsorgedokumenten hinweisen, weil ja niemand wissen kann, ob und wann er in eine Situation geraten wird, nicht mehr entscheidungs- und einwilligungsfähig zu sein." Dabei ist nach Ansicht des ehemaligen Arztes Margula der Finanzberater besonders geeignet, das Thema aufs Tapet zu bringen: "Die Berater haben Erfahrung damit, persönliche Themen anzusprechen. Familiencharta, Nachfolgeplanung oder Erbschaftsplanung sind sehr persönliche Themen, und sie gehören dennoch zu den alltäglichen Agenden von Family Governance." Margula der 40 Jahre als Mediziner tätig war, liefert daher mit seinem Buch "Pflegefall? Nein, danke" einen Leitfaden für alle Interessierten. Wesentlich sei dabei vor allem zu verstehen, dass die Dokumente, sofern man sie rechtzeitig anfertigen lässt, regeln, wer den Patient in medizinischen Belangen vertritt. 

Vollmacht ist unverzichtbar
"Denn es ist keineswegs so, dass Ehepartner, Lebensgefährten oder auch Kinder automatisch das Vertretungsrecht für einen Patienten haben. Ärzte dürfen nicht einmal Auskunft über den Gesundheitszustand eines Patienten geben, wenn jemand keine entsprechende Vollmacht vorweisen kann. Deshalb ist es sinnvoll, dass jede volljährige Person eine Vorsorgevollmacht für den persönlichen ­Bereich errichtet, insbesondere für Wohnort und medizinische Belange. Dafür ist es nie zu früh, aber leider oft zu spät", erklärt der Experte. Ein Dokument, das zu einer rechtsgültigen Patientenverfügung wird, ist sehr rasch erstellt. Im Internet gibt es schon mehr als 400 deutschsprachige Angebote, eine Patientenverfügung zu erstellen. Allerdings warnt Margula: "Wie BGH-Urteile zeigen, wird der Patientenwille nicht zwingend umgesetzt, nur weil jemand einmal eine verbindliche Patientenverfügung erstellt hat."

Eine Patientenverfügung sollte daher nicht als starres Dokument, sondern als ein dynamischer Entwicklungsprozess gesehen werden. Dabei verweist der Experte auf folgendes BGH-Urteil: "Betrachtet man den Fall BGH XII ZB 107/18, in dem eine Patientin mehr als zehn Jahre lang, trotz eines bindenden Dokuments, gegen ihren Willen künstlich ernährt wurde, versteht man, warum es bei einer Patientenverfügung meines Erachtens weniger darum geht, ob sie rechtlich korrekt ist, sondern vielmehr darum, ob sie zum gegebenen Zeitpunkt befolgt werden wird." Das österreichische Gesetz sieht nämlich keine Sanktion vor, wenn jemand sogar den in einer verbindlichen Patientenverfügung verbrieften Willen missachtet. Daran ändert auch der Einwand nichts, dass sich ein Arzt nach § 110 StGB strafbar macht, wenn er ohne die Zustimmung des Patienten behandelt. Denn sobald es um eine Patientenverfügung geht, schützen ihn schon Abs. 2 und Abs. 3 desselben § 110 StGB vor Bestrafung. Margula rät daher zu einer regelmäßigen Erneuerung der Patientenverfügung, bis der Entwicklungsprozess beendet ist und das Dokument in seiner Letztfassung als Patientenverfügung zum Einsatz kommt, weil der Verfügende – jetzt als Patient – seinen Willen nicht mehr äußern kann. 

"Pflegefalltool"
Beim Thema Patientenverfügung können Berater für den Kunden daher mehr tun, als nur zu raten, einen Arzt oder einen Juristen zu konsultieren. Besonders Berater, die sehr wohlhabende Klienten haben, sollten sich laut Margula mit dem Thema auseinandersetzen. "Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen künstlich am Leben erhalten werden. Fast immer sind es aber monetäre Gründe, wenn Personen heute nicht mehr einfach in Ruhe sterben dürfen. Deshalb sind Vermögende und Zusatzversicherte besonders gefährdet, gegen ihren Willen monate- und jahrelang ertragen zu müssen, wozu Medizintechnik imstande ist.“

Das Erinnern an die jährliche Erneuerung der Patientenverfügung kann somit für regelmäßigen Kontakt zum Kunden und zur Nachfolgegeneration genutzt werden. Interessant ist in diesem Zusammengang das von Margula selbst entwickelte "Pflegefalltool". Diese Online-Lösung wurde entwickelt, um die Patientenverfügungstexte alljährlich zu erneuern und sich zugleich mit dem Thema Selbstbestimmungsrecht bei jeder medizinischen Behandlung auseinanderzusetzen. (gp)


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