Ein einheitlicher Binnenmarkt für die Altersvorsorge – das ist die Idee, die hinter der europäischen Einheitsrente, dem "Pan-European Personal Pension Product" (Pepp) steckt. Den Entwurf für die Pepp-Verordnung hat die EU-Kommission bereits im Juli 2017 präsentiert. Doch das Projekt kommt nicht so recht von der Stelle.

Im deutschen Bundesrat war das Pepp-Positionspapier im November vergangenen Jahres gnadenlos durchgefallen. Nun melden deutsche Verbände und Verbraucherschützer eigene Zweifel an der Umsetzbarkeit an, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. Auch die Anbieter von Altersvorsorgeprodukten zeigen sich nicht gerade enthusiastisch. So fragt sich laut der Zeitung beispielsweise Ulrich Zander, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute, wie es möglich sein soll, ohne Großbritannien künftig immerhin noch 27 EU-Länder mit unterschiedlicher Sozialgesetzgebung und abweichendem Steuerrecht unter einen Hut zu bekommen.

Eigentlich nur Vorteile 
Die Pepp-Verordnung sieht vor, dass Versicherer, Banken, Pensionskassen, Wertpapierfirmen und Vermögensverwalter Produkte für die private Altersvorsorge in Zukunft nach europaweit vereinheitlichten Regeln vertreiben können. Dies soll den Wettbewerb beleben und Kosten senken. Anbieter sollen über ein verbessertes "Pooling" der Assets und über Skaleneffekte profitieren. Durch klarere Regelungen zur Portabilität soll es für Arbeitnehmer leichter werden, bestehende Verträge in andere EU-Länder mitzunehmen. 

Zander bezweifelt der FAZ zufolge allerdings, dass dieses Problem überhaupt viele Arbeitnehmer betrifft. Die meisten würden von ihren Arbeitgebern entsandt und seien bei einer grenzüberschreitenden Tätigkeit daher abgesichert. Zudem kritisiert er die geplante Kosten-Vorgabe von einem Prozent. "Das passt nicht zu den tatsächlichen Verwaltungskosten, und da ist die Beratung noch gar nicht mit drin", zitiert ihn die FAZ. Ein standardisiertes Produkt mit geringem Beratungsbedarf passe aus seiner Sicht auch nicht zu den Bedürfnissen der meisten Verbraucher.

"Sinnlos wie ein Kropf"
Auch bei den Verbraucherschützern kommt beim Stichwort Pepp keine Begeisterung auf. "Wir halten das Vorhaben für so sinnlos wie einen Kropf", sagte Lars Gatschke, Finanzmarkt-Fachmann des Verbraucherzentrale Bundesverbands, der FAZ. Steuerliche und zivilrechtliche Unterschiede könnten nicht harmonisiert werden. Der Binnenmarkt werde in in Bezug auf die Altersvorsorge eine Wunschvorstellung bleiben.

Die Anbieter zeigen sich nicht ganz so kritisch. "Wir begrüßen die Diskussion um Pepp, sehen aber die steuerliche Komplexität", erklärte Björn Deyer, Leiter Altersvorsorge bei Union Investment, der FAZ. Die Kommission unterschätze womöglich auch die hohen Kosten für den Aufbau eines europaweiten Vertriebsnetzes. "Aber das Ziel, eine höhere Kapitalmarktpartizipation zu erreichen, teilen wir. Nur so schließt man die Vorsorgelücke", sagte Deyer. (am)