Unter den Österreichern, die noch keine Wertpapiere besitzen, sagt mittlerweile ein Viertel, dass prinzipiell Interesse an einer Veranlagung besteht. Das ist mehr als eine Verdoppelung zum Jahr 2017, als sich nur elf Prozent mit dieser Idee anfreunden konnten. Das geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag des Aktienforums hervor – Details der Befragung finden Sie in der Bilderstrecke oben!

Die tatsächlichen Wertpapier-Besitzquoten sind in Österreich bisher sehr niedrig. Zwölf Prozent sagen, sie haben einen Aktien- oder Anleihenfonds, weitere sechs Prozent haben einen Fonds gemeinsam mit dem Lebenspartner. Aktien besitzen demnach nur neun Prozent beziehungsweise in der Lebensgemeinschaft fünf Prozent.

Österreich im OECD-Vergleich unterdurchschnittlich
In den OECD-Ländern liege der durchschnittliche Beitrag der Kapitaleinkünfte zum Alterseinkommen bei 18,4 Prozent, in Österreich hingegen nur bei 5,8 Prozent, rechnet Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) vor. "In der Schweiz bewegen sich die entsprechenden Werte jenseits der 40 Prozent, in Deutschland immerhin bei rund 16 Prozent", so Neumayer.

Die meisten lassen sich laut der Studie aufgrund fehlenden Wissens von einem Investment abhalten. Auch sagen deutlich mehr als die Hälfte, dass sie ihr Vermögen dafür als zu klein erachten, gefolgt von der Angst vor Fehlentscheidungen.

Nullzinsrealität steigert Interesse an Aktien
Das führt zur Frage, was die Österreicher von einem Aktienkauf überzeugen würde. Hier sagen die meisten, die Rendite müsste deutlich besser sein als auf dem Sparbuch. Die Tatsache, dass Sparbücher nichts mehr abwerfen, dürfte auch der Grund dafür sein, dass das Interesse an Aktien innerhalb kurzer Zeit so stark zugenommen hat.

"Die Nullzinsrealität in der Breite der Bevölkerung angekommen", kommentiert die Börse Wien die Ergebnisse der Studie. Vorstandsvorsitzender Christoph Boschan begrüßte angesichts dessen die Pläne der Regierung, die Finanzbildung auszubauen. Außerdem soll eine Behaltefrist für die Kapitalertragsteuerbefreiung für Kursgewinne bei Wertpapieren erarbeitet werden. Boschan fordert eine zügige Umsetzung. "Durchschnittlich sieben Prozent Rendite im ATX sollten kein Elite-Thema bleiben", so der Börse-Wien-Chef.

Finanzberater spielen wichtige Rolle
Im Übrigen hebt die Untersuchung auch die wichtige Rolle der Finanzberater hervor. Immerhin sagen 43 Prozent, die Empfehlung des Bankberaters würde sie sehr oder eher zu einem Aktieninvestment bewegen. Das ist der drittwichtigste Entscheidungsfaktor nach höherer Rendite und ausreichend verfügbarem Kapital. Für die Untersuchung wurden im Jänner 2020 814 Österreicher ab einem Alter von 16 Jahren befragt. (eml)