Österreichs Insolvenzgeschehen entwickelt sich derzeit in unterschiedliche Richtungen. Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 leicht zurückging, nahm die Zahl der Privatkonkurse weiter zu. Das zeigen aktuelle Daten von Statistik Austria und dem Informationsdienstleister CRIF.

Nach Angaben von Statistik Austria wurden im ersten Halbjahr 3.407 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das waren 2,8 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Auch im zweiten Quartal setzte sich der leichte Rückgang fort: Von April bis Juni wurden 1.668 Firmeninsolvenzen registriert, ein Minus von drei Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025.


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Privatkonkurse steigen um knapp fünf Prozent
Bei den privaten Haushalten zeigt sich dagegen die entgegengesetzte Entwicklung. Laut einer aktuellen Auswertung von CRIF wurden im ersten Halbjahr 2026 österreichweit 4.722 Privatkonkurse registriert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um 4,8 Prozent beziehungsweise 217 Verfahren.

CRIF führt die Entwicklung unter anderem auf die weiterhin hohe finanzielle Belastung vieler Haushalte zurück. Trotz rückläufiger Inflation blieben die Lebenshaltungskosten hoch, gleichzeitig belaste die steigende Arbeitslosigkeit die finanzielle Situation. Reserven würden dadurch zunehmend aufgezehrt, sodass unerwartete Ausgaben schneller zu Überschuldung führen könnten.

CRIF hebt Prognose an
Eine rasche Trendwende erwartet CRIF nicht. Der Informationsdienstleister hat seine Prognose für das Gesamtjahr von bislang 9.000 auf bis zu 9.500 Privatkonkurse angehoben. Sollte dieser Wert erreicht werden, wäre es nach Angaben des Unternehmens der zweithöchste Stand der vergangenen zehn Jahre. Lediglich 2018 wurden mit 10.062 Fällen mehr Privatkonkurse registriert, wobei dieser Wert durch einen Nachholeffekt infolge der Insolvenzrechtsreform 2017 beeinflusst war.

Zusätzlich könnte sich die seit Mitte Juli geltende Rechtslage auf die weitere Entwicklung auswirken. Für Privatinsolvenzen gilt wieder eine Entschuldungsdauer von fünf Jahren. Die vorübergehend bestehende Möglichkeit einer Entschuldung bereits nach drei Jahren ist ausgelaufen. Welche Auswirkungen dies auf die Zahl der Verfahren haben wird, ist laut CRIF derzeit noch nicht absehbar. (cf)