Welcher Berater träumt nicht davon, Neukunden spielend zu gewinnen? Dass dies möglich ist, beweisen Wolfgang Tritsch und Alexander Oberenzer. Die beiden Wiener Vermögensberater sind unter dem Dach von Finum Private Finance tätig und laden seit einigen Jahren potenzielle Neu- sowie Bestandskunden zu Spieleabenden ein. Gespielt wird dabei das von den Beratern selbst entwickelte Brettspiel "My First Million Game".

Das Ziel des Spiels ist rasch erklärt: Aus 100.000 Euro Startkapital soll durch geschicktes und strategisches Handeln die erste Million erwirtschaftet werden. "Dabei wird die finanzielle Realität ziemlich genau simuliert, und das zeigt, wohin finanzielles Handeln führen kann, ohne dabei echtes Geld in die Hand nehmen zu müssen", erklärt der studierte Wirtschaftspsychologe. Die Spieleabende kamen gut an, und das Geschäft brummte. Doch dann setzte die Coronakrise den traditionellen Spieleabenden ein jähes Ende – die beiden Vermögensberater mussten sich etwas Neues einfallen lassen. Kurzerhand wurde das Spiel in die digitale Welt gehoben. Dadurch wurde sein Potenzial noch einmal erweitert.

"Das Brettspiel war für uns ein B2C-Produkt. Das Onlinespiel wird nun allerdings stark von Vermögensberatern nachgefragt", so Oberenzer. "Während der Coronakrise konnten wir über das Onlinespiel viele Neukunden gewinnen, das hat sich herumgesprochen. Daher bieten wir nun auch anderen Beratern und Vertrieben an, das Spiel über eine Lizenz zu nutzen."

200 Finanzentscheidungen
Ein Testspiel mit den beiden Erfindern zeigt auf Anhieb, wie viel Spaß das Spiel macht, auch der Mehrwert wird deutlich. Im Spielverlauf erkennt man automatisch, wie wichtig Diversifikation, Rebalancing und Timing sind. Der Kunde lernt durch das Spiel, selbst zu investieren. Im Verlauf muss er 200 Finanzentscheidungen treffen. Zudem gilt es, Wissensfragen zu beantworten, für deren richtige Beantwortung es kleine Kapitalzuschüsse gibt. Für die Entwicklung der Aktien- und Immobilienmärkte werden historische Szenarien durchgespielt. Besonders spannend: Am Ende des Spiels wird aufgelöst, um welchen Zeitverlauf es sich gehandelt hat – pro Runde vergeht ein Jahr.

Insgesamt wird bis zu 20 Runden gespielt. Kosten und steuerliche Themen werden nicht abgebildet, das würde sonst zu komplex. "Es soll auch immer noch ein Spiel bleiben. Trotzdem sehen wir den Effekt, dass wir Menschen durch das Spiel mehr Finanzverständnis vermitteln", so Tritsch. Und hier liegt auch der große Vorteil: Die Kunden bauen spielerisch Know-how auf und bekommen so ein besseres Gefühl dafür, wann der richtige Zeitpunkt für ein Investment ist. Und der Berater kann mit Kunden dadurch auf einer professionelleren Ebene über die Anlage sprechen. Am Ende führt dies zu deutlich mehr Umsatz.

In Österreich wird das Spiel bereits von etlichen Finum-Berater genutzt. Zudem setzten mittlerweile auch Berater aus Deutschland auf das Online­game. "Neben Finum arbeiten wir mit FP Finanzpartner und Standard Life zusammen", sagt Oberenzer. (gp)


Alle Details zum Spiel und den Nutzungsbedingungen finden Sie in FONDS professionell 1/2022 ab Seite 202. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch im hier E-Magazin lesen.