Es ist schon einige Zeit her, dass in Österreich ein neuer Finanzvertrieb gegründet wurde. Die Zeiten, in denen in dieser Branche Aufbruchstimmung herrschte, liegen viele Jahre zurück. Heute dominieren Kostendruck und regulatorische Herausforderungen die Szene, und insgesamt hat man es mit einem – bestenfalls – stagnierenden Markt zu tun.

Es ist daher umso erfreulicher, dass sich mit Feel-Finance seit Anfang des Jahres ein neuer Finanzvertrieb in Österreich an den Start wagt, um etwas frischen Wind in die Vertriebslandschaft zu bringen. Mit Büros in Wien und Graz will Geschäftsführer Philipp Hochstrasser in Zukunft Vermögensberatungskunden mit einer umfangreichen Dienstleistungspalette zur Seite stehen. Das Unterfangen wäre vermutlich eher chancenlos, wenn Hochstrasser und seinem Team nicht über einige Erfahrung verfügen würden. 

Bis zu dessen Insolvenz war der Grazer für den Finanzvertrieb Ertrag & Sicherheit aktiv, danach schlossen sich er und einige Mitstreiter der Nachfolgergesellschaft Vion an. Wirklich zufrieden war man dort allerdings nicht, der Bruch kam Ende 2018. Seither wird an dem Projekt Feel-Finance gearbeitet, das von Anfang an das Ziel verfolgte, ein für den Kunden möglichst attraktives Angebot zu schaffen.

Das fängt beim Gebührenmodell an: Agios werden laut Hochstrasser keine verlangt, stattdessen setzen die Grazer auf ein Servicegebührensystem. "Pro Quartal zahlt der Kunde 0,275 Prozent zuzüglich 0,055 Prozent Umsatzsteuer. Je höher die Veranlagungssumme ist, umso niedriger fallen die Gebühren aus. Ab einem Einmalerlag von 50.000 Euro liegen wir dann pro Jahr schon nur noch bei einem Prozent, ab 100.000 bei 0,9 Prozent. Das geht dann weiter runter, und bei 500.000 liegt man bei 0,5 Prozent im Jahr. Damit bewegen wir uns im Kostenbereich eines Robo-Advisors", rechnet der Feel-Finance-Gründer vor. 

Möglich sei diese schlanke Kostenstruktur, weil die Feel-Finance-Berater ihre Erträge nicht nur aus dem Wertpapierbereich generieren. "Wir machen mit dem Kunden eine ausführliche Bedarfserhebung. Uns geht es nicht nur darum, die Wertpapierberatung zu machen. Die Beratung soll ganzheitlich erfolgen, das heißt, dass wir auch Versicherungslösungen für alle möglichen Risiken berücksichtigen." Dabei setzt Hochstrasser auch auf externes Know-how, im Netzwerk hat man einen Notar sowie zwei Steuerberater. Im Finanzierungsbereich arbeitet man zudem mit der Plattform "BIS Kreditaustria" zusammen.

Wichtig war den drei Gesellschaftern – neben Hochstrasser sind das Christian Schrammel und Florian Kiegerl –, auch gegenüber den angeschlossenen Beratern ein völlig transparentes Provisionssystem zu haben. "Viele Vertriebe leiden darunter, dass gute Leute irgendwann gehen, da ihnen die Perspektiven fehlen. Das Problem wollen wir vermeiden, indem wir den Beratern transparent eine langfristige Entwicklungschance bieten. An die Berater werden daher je nach Umsatz bis zu 75 Prozent der vereinnahmten Gebühren ausgeschüttet, als Einsteiger liegt man bei 50 Prozent."

Firmenbeteiligung
Guten Beratern stellt Hochstrasser auch eine Firmenbeteiligung in Aussicht. "Das wurde von vornherein notariell mit den Gesellschaftern so festgelegt. 20 Prozent der Anteile werden dafür freigehalten." Neben den drei operativ tätigen Gesellschaftern gibt es noch eine Investorengruppe, die aus vier Grazer Unternehmern besteht und 20 Prozent der Anteile hält. Mittlerweile umfasst die Feel-­Finance-Truppe bereits 25 Personen, und laut Hochstrasser wächst man auch außerhalb der Ex-Vion-Berater. Hochstrasser: "Erst kürzlich sind zwei Neueinsteiger hinzugekommen, die nun mit der Ausbildung zum akademischen Finanzdienstleister beginnen. Einer von ihnen ist BWL-Absolvent." Potenzial sieht das Unternehmen auch im Bereich der Bankmitarbeiter. Mitgründer Kiegerl, der Bank- und Versicherungswirtschaft studiert hat, meint: "Wir haben mittlerweile sehr guten Zuspruch von Leuten, die in Banken arbeiten und mit der dortigen Situation unzufrieden sind." (gp)


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