Anleger tun sich schwer damit, den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt für ein Investment abzupassen. Da sind Fondskäufer keine Ausnahme, zeigt eine Studie der Ratinggesellschaft Morningstar. Demnach erwirtschafteten Anleger, die in europäische Publikumsfonds ein- und ausstiegen, zwischen 2010 und 2018 eine um 53 Basispunkte pro Jahr niedrigere Rendite als Investoren, die ihr Geld einfach in den Vehikeln beließen.

Konkret messen die Morningstar-Analysten in der Studie die Differenz zwischen der zeitgewichteten Rendite, also der "offiziell" ausgewiesenen und auch "Total Return" genannten Perfomance, und der sogenannten geldgewichteten Rendite, dem "Investors Return". Ein Beispiel veranschaulicht die Berechnung der letztgenannten: Im ersten Halbjahr erzielt ein fiktiver Fonds ein Plus von 100 Prozent, im zweiten Halbjahr dann ein Minus von 50 Prozent. Für das Gesamtjahr steht also eine Rendite von null Prozent auf dem Papier – der Total Return.

Bondanleger greifen gern daneben
Für Anleger, die erst in der zweiten Jahreshälfte in den Fonds eingestiegen sind, schlagen aber die Verluste voll zu Buche. Die Morningstar-Analysten ermitteln nun anhand des Mittelaufkommens der Vehikel, welcher Anteil des Anlegergelds in dem Fonds die Phase der Gewinne, und wieviel investiertes Vermögen die Verluste mitgenommen hat. Daraus kalkulieren die Experten dann die Renditelücke zwischen Total und Investors Return.

Diese Differenz liegt bei Aktienfonds bei 34 Basispunkten für den betrachteten Zeitraum. "Einigermaßen überraschend ist, dass die Lücke bei Rentenfonds höher war", stellt Matias Möttölä, Co-Autor der Studie fest. Der Abstand bezifferte sich hier auf 41 Basispunkte – deutlich mehr als bei einer früheren Morningstar-Untersuchung des europäischen Fondsmarktes aus dem Jahr 2016. Damals hatten die Analysten bei Anleihen eine Renditelücke von nur 20 Basispunkten pro Jahr gemessen. Bei Aktien hatte die Differenz damals 39 Basispunkte betragen.

Teuer, hektisch – und mit schlechten Ergebnissen
"Die dramatischen Veränderungen am Rentenmarkt seit 2010 können als Erklärungsansatz für die unterdurchschnittliche Anlegerrendite helfen", deutet Möttölä die Ergebnisse. "Etliche Rentenbereiche hatten mit einer erhöhten Volatilität zu kämpfen." Weiterhin sei erstaunlich, dass bei alternativen Fonds der Investors Return besser ausfiel als der Total Return. "Hier hat das Timing-Verhalten also zu einer besseren Anlegerrendite geführt", hält der Analyst fest. Allerdings fiel die jährliche Rendite mit einem Prozent in diesem Feld ohnehin nur gering aus.

Auch bei europäischen Mischfonds konnten Fondsinvestoren zwischen 2010 und 2018 mit Timing jedes Jahr einen um 32 Basispunkte besseren Ertrag erwirtschaften. Hier steht auch immerhin eine jährliche Rendite von gut vier Prozent zu Buche.

"Auffällig ist auch, dass Anleger, die teure Fonds halten, schlechtere Renditen erwirtschafteten als Anleger in günstigen Fonds", führt Möttölä weiter aus. Das gelte nicht nur für die zeitgewichtete, sondern auch für die geldgewichtete Rendite. "Mit anderen Worten: Wer in teuren Fonds angelegt hat, hat offenbar mehr gehandelt als Anleger in günstigen Fonds  – und dabei schlechtere Ergebnisse erzielt." Der Experte zieht als Fazit der Auswertung für den europäischen Markt, dass die Anlegerrendite bei breit diversifizierten, günstigen und weniger riskanten Fonds besser ausfiel als in volatilen und teuren Fonds.

Global gesehen verbrennen Anleger weniger Geld
Die Morningstar-Analysten haben sich obendrein die Renditelücken in anderen Fondsmärkten angeschaut. In den USA beziffert sich die Differenz über alle Kategorien hinweg auf 45 Basispunkte. In Südkorea und Australien liegen die geldgewichteten hingegen über den zeitgewichteten Renditen. Generell gesehen beobachteten die Experten einen Rückgang der Renditedifferenz im Vergleich zur letzten weltweiten Auswertung aus dem Jahr 2017. Investoren entgeht durch das An- und Verkaufen von Anteilsscheinen also weniger Rendite. Grund dafür könnte aber einfach nur die meist gute Marktlage gewesen sein, schränken die Experten ein. (ert)