Europas Banken leiden auch im Geschäft mit vermögenden Kunden immer mehr unter Margendruck. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Unternehmensberatung McKinsey. Demnach entfiel mehr als die Hälfte des Gewinnwachstums im Private Banking von 2013 bis 2017 auf die gute Entwicklung an den Finanzmärkten. Im von Marktturbulenzen geprägten Jahr 2016 sackten hingegen auch die Erträge im Private Banking ab.

Diese Abhängigkeit von einer günstigen Entwicklung der Börsenkurse wecke Zweifel, ob die Anbieter nachhaltig ihre Erträge steigern können, so die Experten von McKinsey. Denn dank des Rückenwinds von den Kapitalmärkten konnten die Institute bislang ihre Probleme kaschieren. Wollen die Geldhäuser auch künftig gut aufgestellt sein, müssten sie zum einen mehr Neugeschäft einwerben, so die Consultants. Zum anderen sollten sie die Gebühreneinnahmen forcieren und eine striktere Kostendisziplin an den Tag legen.

Groß übertrumpft klein
Die Experten zeigen zwei Punkte auf, an denen die Institute konkret ansetzen können. Über die vergangenen fünf Jahre hätte sich erwiesen, dass eine Verlagerung des Kundengelds in laufende Mandate die Gebühreneinnahmen beflügelt habe. Der zweite Punkt sind die Kosten. 2017 hätten die Banken erstmals seit fünf Jahren die Zunahme der Gesamtkosten unter der Marke von zwei Prozent pro Jahr gehalten. Diese Disziplin müssten sie fortsetzen.

Zudem beobachteten die Unternehmensberater bei der Auswertung der Kennzahlen für 2017 eine deutliche Aufteilung beim Neugeschäft zwischen großen und kleinen Anbietern. So verzeichneten große Institute mit einem betreuten Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro sowie die Private-Banking-Ableger von Universalbanken doppelt so hohe Mittelzuflüsse wie kleinere Konkurrenzen. Insbesondere kleinere und unabhängige Anbieter sollten also ihren Anteil am Neugeschäft ausweiten, um überleben zu können. (ert)