Die Tage des Leitzinses Libor sind gezählt. Die britische Finanzaufsicht FCA setzt den 31. Dezember 2021 als Stichtag, an dem zum letzten Mal die beteiligten Banken Daten für die Geldmarktsätze in britischen Pfund, Euro, Schweizer Franken und japanischen Yen melden sollen. Für den US-Dollar-Satz gilt der 30. Juni 2023. Bis dahin soll die Erstellung repräsentativer Referenzzinsen gesichert sein. Nach diesen Terminen seien aber keine Daten mehr verfügbar, so die FCA.

Die London Interbank Offered Rate, so die vollständige Bezeichnung, wurde in den 1980er-Jahren von einer britischen Bankenvereinigung entwickelt, um ein international einheitliches Maß für Geldmarktsätze zu schaffen. Im Sommer 2012 wurde jedoch bekannt, dass die Leitsätze massiv manipuliert wurden. Zahlreiche Großbanken waren in den Skandal verwickelt und mussten zum Teil hohe Strafen zahlen. Der London Stock Exchange wurde die Verantwortung für den Libor entzogen und auf die NYSE Euronext übertragen.

Auch Fonds von Umstellung betroffen
Zudem leiteten die Regulierer eine umfassende Reform ein, wonach die Leitsätze durch neue Barometer wie €STR, SONIA oder SOFR ersetzt werden. Diese sollen weniger anfällig für Manipulationen sein. Leitsätze wie Libor, Euribor oder Eonia dienen rund um den Globus als Grundlage für Kreditverträge, Anleihen, Sparverträge und andere Finanzmarktinstrumente im Wert von Billionen von Euro. Zudem vergleichen auch zahlreiche Investmentfonds ihre Wertentwicklung mit den Maßstäben. Alle müssen auf neue Benchmarks umgestellt werden. (ert)