Die Erfordernis, Mitarbeiter in Scharen ins Home-Office zu schicken, hat die Digitalisierung bei vielen Fondshäusern ganz oben auf die Tagesordnung gespült. Dies berichtet Maren Schmitz, die bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG das Asset-Management-Beratungsgeschäft in Deutschland leitet, im Interview mit FONDS professionell ONLINE. Sie erläutert, welche Wege in die Zukunft sich für die Industrie abzeichnen.


Frau Schmitz, wie ist es um die Digitalisierung der Asset-Management-Branche bestellt?

Maren Schmitz: Im Asset Management laufen derzeit noch 70 bis 80 Prozent der Prozesse Papier- oder Excel-basiert ab. Im Detail läuft das über drei Kategorie-Ebenen ab: auf einer Plattform, in Excelsheets und manuell. In einer optimalen Welt bliebe alles ohne Medienbrüche auf der Plattform. In der Praxis wandern Arbeitsabläufe aber diese drei Ebenen hoch und runter. Das ist nicht nur ineffizient, sondern dadurch gehen Daten und damit wertvolles Wissen verloren.

Beschleunigen die Erfahrungen der Covid-19-Pandemie die Digitalisierung?

Schmitz: Noch im vergangenen Jahr galt in der Branche der Einsatz neuer Technologien als Szenario für in fünf bis zehn Jahren. Jetzt, nach den Erlebnissen der Coronakrise, gilt der Einsatz aber schon in zwei bis fünf Jahren als machbar. Transformationsprojekte rückten auf der Agenda ganz nach oben. Natürlich ist es ein langer Weg. Doch der wird mit einer ganz anderen Kraft und strategischen Relevanz vorangetrieben als noch vor ein paar Jahren. Asset Manager brauchen schnell digitale Lösungen, sonst werden sie von den Corona-Folgen sowie den technologischen Möglichkeiten überrannt.

Big Data, Blockchain und Krypto-Assets oder Cloud: Solche Schlagworte fallen häufiger. Doch was davon ist wirklich schon umsetzbar?

Schmitz: Bei der Digitalisierung sind Themen wie Blockchain und Tokenisierung noch diffus und am weitesten weg. Plattform- und Cloud-Lösungen sind dagegen bereits heute technisch umsetzbar, wenngleich es die wenigsten Anbieter auch tun. Datenanalyse und künstliche Intelligenz wiederum sind schon so weit fortgeschritten, dass sie sich einsetzen ließen.

Ersetzen zunehmend Maschinen den Menschen?

Schmitz: Künstliche Intelligenz, kurz KI, kann Informationen rascher und in größerem Umfang als ein Mensch verarbeiten. Mit Datenanalysen lassen sich Sachverhalte erkennen und Ableitungen treffen. KI kann Portfoliomanager unterstützen. Sie soll diese nicht ersetzen. Es geht vielmehr darum, die Manager schneller mit mehr und besseren Informationen zu versorgen. Das gilt nicht nur im Portfoliomanagement, sondern zieht sich durch viele Elemente der Wertschöpfungskette, etwa den Vertrieb.

Wie sieht ein Fondsanbieter der Zukunft aus?

Schmitz: Das Bild des Asset Managers, der die komplette Produktionsstraße abdeckt, wird verschwinden. Die Anbieter wandeln sich zu Datenmanagern wie die großen Internetplattformen, beispielsweise Amazon. Am Ende wird zwar ein Paket zugestellt, doch im Grunde lebt Amazon vom Datenmanagement. Dazu wird es auch bei Asset Managern kommen. Die Vorreiter in der Branche werden ihre eigene Plattform und ein intelligentes Datenmanagement entwickeln und diese anderen als Dienstleistung verkaufen.

Wird es auch künftig noch Investmentfonds in der uns heute bekannten Form geben?

Schmitz: Asset Manager stehen vor der Aufgabe, ihre Produkte passgenau zu entwickeln. Der Fonds kann sich damit zum Konsumgut entwickeln. Kunden gehen nicht mehr zum Bankberater, der Fonds verkauft. Asset Manager müssen andere Wege entwickeln, etwa neue Kooperationspartner finden. Das ist aber noch weit weg. Der Fonds ist von der Mentalität her hierzulande ein verkauftes, kein gekauftes Produkt. Grundsätzlich wird es den Fonds aber auch künftig geben.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)