Spareinlagen bekommen die Banken zur Genüge. Weil überschüssiges Geld aber noch immer mit Negativzinsen bei der EZB veranlagt werden muss, wäre es den Instituten recht, wenn die Kunden mehr in Anlageprodukte gehen – zumal die Banken dafür auch Provisionen erhalten. Aus diesem Grund sieht man derzeit wieder Kombiprodukte, die sicherheitsorientierte Sparer zum Fondsanleger machen sollen.

Ein aktuelles Kombispar-Modell, das die Volksbanken aufgelegt haben, besteht aus einem kostenlosen Online-Konto und einem Fondsdepot. Es müssen mindestens 10.000 Euro veranlagt werden, wobei maximal die Hälfte auf das Konto gelegt werden darf, der Rest geht in vorausgewählte Fonds des Partners Union Investment. Die Aktion ist bis Jahresende gültig. Das Konto ist überdurchschnittlich verzinst, die ausgewählten Fonds sind durchwegs mit sehr guter vergangener Performance ausgestattet. Man kann argumentieren, das sei eine sinnvolle Idee, um den Österreichern den Einstieg in das Fondsinvestment zu versüßen.

Werbung mit hohen Zinsen
Es gibt aber einige Kritikpunkte: Etwa, wie die Verzinsung des Produktes beworben wird. Die Bank wirbt mit zwei "individuellen Laufzeiten von sechs oder zwölf Monaten" für das Konto. Für sechs Monate gibt es demnach zwei Prozent, was groß und farbig beworben wird – allerdings per annum. Für zwölf Monate gibt es ein Prozent per annum. Faktisch kommt also beides auf das gleiche raus. Ob man sein Geld nun sechs oder zwölf Monate liegen lässt, es gibt immer ein Prozent.

Den Unterlagen zufolge werden keine Gebühren fällig, wenn man sein Geld früher entnimmt (der Bank ist es schließlich recht, wenn sie weniger Zinsen zahlen muss). Vorzeitige Behebungen sind jederzeit möglich, heißt es in den Unterlagen. Eine Mitarbeiterin sagte, Teilbehebungen würden die Verzinsung nicht beeinflussen. Warum dann von zwei Modellen die Rede ist, konnte nicht geklärt werden. Das Konto verursacht den Angaben zufolge jedenfalls keine Transaktionskosten oder Gebühren.

Einstiegsmöglichkeit
Mit dem Kombisparen solle den Sparern die Scheu vor dem Fonds genommen werden, sagt Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien AG. Kombisparen ist freilich kein neues Modell. Sparbuch und Fonds oder sogar Sparbuch und Zertifikate sieht man seit vielen Jahren immer wieder. Meist werden sie innerhalb kurzer Aktionszeiträume vertrieben. Auch am Volksbankensektor gab es solche Modelle schon. Erst kürzlich hatte auch die Bawag mit einer ähnlichen Aktion geworben.

Grundsätzlich ist es eine gute Idee, Anleger zum Fondsinvestment zu bringen. Allerdings gilt bei allen Kombiangeboten stets der Blick den Gebühren. Zum Beispiel kann beim aktuellen Kombisparen der Volksbank laut Unterlagen der Aufgabeausschlag nicht rabattiert werden. Wenn man einen Fonds über den Berater kauft, könnte man hingegen verhandeln. Auch Online-Banken bieten immer wieder Rabatte an. Für die vorgeschlagenen Fonds sind Ausgabeausschläge von bis zu fünf Prozent und jährliche Verwaltungsgebühren von 1,2 Prozent zu zahlen.

Ein Anleger sollte sich also fragen, ob er genau einen Fonds aus einem Kombiangebot möchte und er wirklich gleichzeitig Geld auf dem Konto liegen lassen will. Dann sind solche Produkte eine Option. Ansonsten sollte man wohl gleich direkt in einen Fonds gehen und schauen, wo man ebendiesen am günstigsten bekommt. (eml)