"Nur weil eine Aufgabe KI ausgesetzt ist, bedeutet das nicht, dass sie dadurch ersetzt wird", sagte OpenAI-Chefökonom Ronnie Chatterji beim jährlichen Forum der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. "Wir müssen viel gründlicher darüber nachdenken, was Jobs sind und wie sie sich entwickeln werden. Das wird uns helfen, Menschen zu Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zu beraten, anstatt optimistisch oder pessimistisch zu sein."

KI als Produktivitätstreiber
Im Gespräch mit EZB-Chefvolkswirt Philip Lane vor einem Publikum aus Zentralbankvertretern aus aller Welt verwies Chatterji auf die Geschichte seiner eigenen Familie im Zusammenhang mit neuer Technologie.

"Mein Vater war 1985 ebenfalls Ökonom. Seine Arbeit war stark vom Personal Computer betroffen, als er den ersten in seinem Büro aufstellte", sagte er. "Doch statt mit Lochkarten in einem großen Raum auf einem Großrechner Regressionen zu berechnen, konnte er sie nun auf seinem eigenen Computer ausführen. Mit der Zeit ergänzte das seine Arbeit und machte ihn produktiver."

EZB beobachtet Entwicklung genau
Die Auswirkungen von KI auf die Wirtschaft sind für die EZB und andere Zentralbanken zu einer zentralen Frage geworden. Eine weitreichende Verdrängung von Arbeitskräften könnte erhebliche Folgen für Wachstum und Inflation haben. Forschende der EZB erklärten in diesem Jahr, dass es bislang keine Anzeichen für Stellenabbau gebe. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, sie verfolge das Thema mit äußerster Aufmerksamkeit.

Die Notenbanker fragen sich, wie stark die Eurozone von der Technologie profitieren kann, obwohl sie nicht Eigentümer der fortschrittlichsten KI-Modelle ist. Lagarde vertritt die Auffassung, dass eine schnelle Einführung der Technologie Europa dennoch viele Vorteile bringen kann.

EZB-Chefvolkswirt: Europa ist gut aufgestellt
Lane erklärte im Gespräch mit "Bloomberg TV", die Nutzung von KI in der europäischen Wirtschaft nehme "immer mehr" zu. "Unsere Unternehmensumfragen und Verbraucherbefragungen zeigen im Vergleich zu früheren Allzwecktechnologien eine recht rasche Verbreitung", sagte der EZB-Chefvolkswirt. "Das gilt natürlich weltweit, aber Europa ist in vielerlei Hinsicht gut aufgestellt, um KI einzuführen. Ich bin daher optimistisch: Wir halten dies für einen positiven Faktor für die Produktivität und für Investitionen, aber es ist noch zu früh, um endgültige Schlüsse zu ziehen."

Welche Einschätzungen weitere Mitglieder des EZB-Rats beim Forum in Sintra zum Thema künstliche Intelligenz abgegeben haben, zeigen wir in unserer Fotostrecke. (mb/Bloomberg)