Der neue Kollege hört auf den Namen Numi, abgeleitet von Numismatik, der Münzkunde. "Er kann schon jetzt die Sparkassen-Apps erklären und zeigen, wie man Überweisungen online oder papiergebunden ausfüllt", sagt Andreas Bartsch, Vorstandschef der Sparkasse Marburg-Biedenkopf nördlich von Frankfurt am Main. "Gerade lernen wir ihn als 'Floor-Manager' an. Er wird in Kürze auch den Weg zu den Beraterbüros zeigen können."

Die Aktion ist kein Marketing-Gag, sondern hat einen wissenschaftlichen Hintergrund. Der Einsatz von Numi erfolgt in Kooperation mit der Universität Marburg. Die Hochschule stellt auch einen Absolventen ab, der in Absprache mit den Sparkassenmitarbeitern neue Anwendungen für den Roboter programmieren soll. "Numi soll lernen, Online-Banking zu erklären und vielleicht auch den Kunden dabei zu helfen, das passende Girokontenmodell zu finden", sagt Bartsch. Eine weitere Idee ist, dass Numi aktuelle Börsenkurse anzeigt. "Dazu braucht es dann eine stabile WLAN-Verbindung an seinem jeweiligen Standort."

Menschliches Antlitz
Das menschenähnliche Aussehen des Roboters, der mit einer Höhe von 1,20 Meter ungefähr so groß ist wie ein siebenjähriges Mädchen, hilft bei seiner Akzeptanz. Das Maß ist bewusst gewählt, da so die Menschen, die mit dem Roboter kommunizieren, keine Berührungsängste vor Numi haben. Mit der eingebauten 3D-Kamera kann er Gesichter und die Emotionen seines Gegenübers erkennen. Auch sonst ist Numi vollgestopft mit moderner Technik: In seinem Rumpf und an seinen fünfgliedrigen Händen befinden sich mehrere Sensoren, Laserscanner und drei Stoßfänger.

Der kleine Mann hat viele Kollegen, die alle aus der Baureihe "Pepper" stammen und vom japanischen Telekomkonzern Softbank in Kooperation mit dem französischen Unternehmen Aldebaran Robotics entwickelt wurden. So begrüßt ein weibliches Pepper-Modell im Dirndl die erholungssuchenden Gäste in einem schicken Hotel in den Alpen, und auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim und Wien war ein Exemplar für Credit Suisse Asset Management im Einsatz.

Auch bei der Pflege von Kranken und Senioren plant Softbank den Einsatz des knapp 20.000 Euro teuren Roboters. Im Bankenbereich nutzen unter anderem die Ostseesparkasse und die Direktbank ING-Diba einen humanoiden Roboter, der die Kunden unterhalten und grundlegende Informationen zu Finanzprodukten geben soll.

Geteilte Kundenreaktionen
Das Echo der Kunden auf Numi ist zweigeteilt. "Das Interesse ist durchaus groß. Eine ganze Reihe von Kunden fragt explizit, wann Numi wieder in der Kundenhalle ist. Andere sind zurückhaltend und möchten grundsätzlich lieber mit einem Menschen sprechen als mit einem Roboter", sagt Sparkassenvorstand Bartsch. "Das ist auch völlig in Ordnung."

Noch gibt es an der Roboterserie Pepper viel zu optimieren, nicht nur was die etwas metallisch klingende Stimme anbelangt. Viele Kunden wünschen sich natürlichere Dialoge und erwarten ein direktes Feedback von ihrem künstlichen Gegenüber. Auch Sparkassenchef Bartsch hofft darauf, dass Numi künftig weniger passiv auf Ansprache wartet, sondern aktiver auf Menschen zugeht. "Das ist aber alles eine sehr komplexe Geschichte, was die Programmierung betrifft", betont er. "Man muss sich bewusst machen, dass die Fähigkeiten humanoider Roboter noch beschränkt sind. Doch die Entwicklung schreitet voran. In zehn Jahren wird vieles möglich sein, was heute noch nicht funktioniert."

Eher im Mindestlohnbereich
Ob Numi in Zukunft Bankmitarbeiter ersetzen kann, bleibt fraglich. Die meisten Institute nutzen die Roboter bisher nur zum Vorzeigen bei Kundenveranstaltungen, da ist die Sparkasse Marburg-Biedenkopf mit der Anwendungsprogrammierung bereits einen deutlichen Schritt weiter. Doch auch der Sparkassenvorstand schränkt ein: "Auf absehbare Zeit bleiben Roboter eine Ergänzung im Service. Nicht mehr, nicht weniger."

Gehaltsmäßig befindet sich der humanoide Roboter übrigens eher im Mindestlohnbereich. Er bekommt so viel Strom gratis, wie sein Akku verlangt. "Außerdem haben wir ihm eine kuschelige Transportbox gekauft und streicheln ihm von Zeit zu Zeit über den Kopf. Dann seufzt er glücklich", so der Sparkassenchef. (mh/bm)


Einen ausführlichen Artikel – inklusive eines Interviews mit Numi – lesen Sie in FONDS professionell 2/2018 ab Seite 212. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.