Dass die letzten Monate des Jahres für Finanzberater traditionell zu den umsatzstärksten zählen, liegt nicht zuletzt daran, dass jeder Steuerpflichtige vor dem Jahreswechsel noch möglichst jede Chance nutzen will, die Steuerlast für das endende Jahre zu minimieren. Profiteure dieser Haltung sind seit einigen Jahren wieder verstärkt Paragraf-14-Investmentfonds.

Finanzadmin-Geschäftsführer Michael Veit beobachtet, dass das Interesse an dem Thema seit dem Jahr 2017 kontinuierlich steigt, seit KMU und Selbstständige nicht entnommene Gewinne wieder in Paragraf-14-Investmentfonds investieren dürfen. In den Jahren 2014 bis 2016 akzeptierte die Finanz nur den Kauf von Wohnbauanleihen zur Inanspruchnahme des Gewinnfreibetrags, inzwischen sind neben ausgewählten Fonds auch wieder Staatsanleihen, Bundesschatzscheine sowie Garantie­produkte, die 100 Prozent Kapi­tal­garantie gewährleisten, zulässig. 

Veit empfiehlt Beratern jedenfalls, ihre Kunden möglichst früh auf das Thema Gewinnfreibetrag anzusprechen, damit diese ausreichend hohe Rücklagen für dieses Investment bilden können. Sollten die Rücklagen nicht ausreichen, kann übrigens auch über eine kurzfristige Fremdfinanzierung nachgedacht werden, die gekauften Wertpapiere können dabei sogar als Sicherstellung genutzt werden. Laut Steuerberater Herbert Konrad von der Wiener Kanzlei ­Witago ist das kaufmännisch sinnvoll: „Die steuerliche Ersparnis liegt in der Regel deutlich über den Zinsaufwendungen. Wenn aus Sicht der Bank sehr sichere Wertpapiere gekauft werden, sind die Finanzierungskonditionen meistens attraktiv. In der Praxis greifen viele Unternehmen, falls notwendig, einfach auf ihren Betriebsmittelkredit zurück, um Wertpapiere anzuschaffen.“

Einkunftsarten
Vor der Auswahl der passenden Wertpapiere muss geklärt werden, welche selbstständigen Einkunftsarten zu berücksichtigen sind, um die Höhe des zu investierenden Gewinnfreibetrags zu ermitteln. Am einfachsten geht das mithilfe des Gewinnfreibetrags-Rechners, den Arts Asset Management im Internet (gfb-rechner.arts.co.at) kostenlos zur Verfügung stellt. Selbst bei komplizierteren Fäl­len, wenn mehrere selbstständige Einkunftsarten zu berücksichtigen sind, ermöglicht das Tool eine rasche Berechnung. Das Programm erstellt ein PDF-Dokument, mit dessen Übermittlung an den Kunden auch belegt ist, dass alle Einkunftsarten mit ihm geklärt wurden. Arts-­Geschäftsführer Gunther Pahl ist mit den Zugriffszahlen auf diese Serviceseite im Internet zufrieden: "Laut Feedback der Berater wird der Rechner vor allem bei Neukunden verwendet. Das heißt, er eignet sich scheinbar gut, um das Thema einem Kunden erstmals vorzustellen."

Die tatsächliche Höhe des zu investierenden Gewinnfreibetrags sollte der Steuer­berater des Kunden liefern können, der Maximalbetrag liegt bei 41.450 Euro. Vor einem Kauf muss klar sein, dass dieses Kapital vier Jahre lang im Anlagevermögen gehalten werden muss. Kommt es zu einem Verkauf der Fonds vor Abschluss der vierjährigen Behaltefrist, erfolgt eine Nachversteuerung, wenn nicht ersatzweise begünstigte abnutzbare ­körperliche Wirtschaftsgüter angeschafft werden. Dazu zählen Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Lkws, EDV-Anlagen und Gebäudeinvestitionen, nicht begünstigt sind Pkws, gebrauchte und geringwertige Wirtschaftsgüter. 

Aufpassen sollten bei der Ausnutzung des Gewinnfreibetrags übrigens auch Vermögensberater, weil sie die Handelsvertreterpauschale nutzen können, die nicht parallel zum Gewinnfreibetrag in Anspruch genommen werden darf. Hier muss berechnet werden, ob es günstiger ist, die Betriebsausgaben- und die Vorsteuerpauschalierung für Handelsvertreter in Höhe von zwölf Prozent des jährlichen ­Provisionsumsatzes (höchstens 5.825 Euro) oder den investitionsbedingten Gewinnfrei­betrag in Anspruch zu nehmen. 

Wer sich für den Kauf von Fonds entscheidet, kann laut Mountain-View-Datenbank ­derzeit aus mehr als 90 Produkten wählen. Per Ende Oktober 2019 wiesen nur sieben der ­insgesamt 88 Fonds, die eine ausreichend lange Historie vorweisen können, ein negative annualisierte Performance auf. Da Paragraf-14-Investmentfonds nicht zu Spekulationszwecken aufgelegt werden, handelt es sich dabei durchwegs um Anleihen-, Immobilien- und Mischfonds, wobei Letztere aus Risikogründen anleihenorientiert sind. In den letzten Jahren waren damit zum Teil sehr attraktive Renditen möglich, während besonders risikoarm arbeitende geldmarktnahe beziehungsweise Geldmarktfonds aufgrund der negativen Leitzinssätze zuletzt keine positiven Renditen mehr erwirtschaften konnten.

Fondssuche
Bei der Suche nach den passenden §-14-Fonds hilft auch die Fondssuche von FONDS professionell ONLINE. In der Suchmaske einfach beim Punkt "Abfertigungsfonds: neu" auf "Ja" klicken und die Suche starten. Insgesamt finden sich hier über 200 Fonds inklusive aller Ausschüttungsklassen. In der Suchmaske selbst kann die Auswahl auf Fondskategorie, Ausschüttungsklasse und vieles mehr eingeschränkt werden. Danach können die Fonds nach Performanceergebnissen über verschiedene Zeiträume verglichen werden. (gp)


Einen ausführlichen Bericht zu den am Markt befindlichen Paragraf-14-Investmentfonds  (inklusive Tabelle) finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 04/2019 von FONDS professionell.