Der Chef des niederländischen Finanzkonzerns ING, Ralph Hamers, rechnet damit, dass die Digitalisierung in der Bankenbranche auch in den kommenden Jahren zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen führen wird. Dies sagte er in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel", das in der Montagsausgabe erschienen ist.

Zwar hätten Bankfilialen auch im Zeitalter des Smartphones weiterhin ihre Berechtigung. Viele Kunden würden sich etwa über eine Immobilienfinanzierung vermutlich auch in Zukunft lieber vor Ort beraten lassen. "Was aber in der Bank immer seltener werden wird, sind klassische Transaktionen wie das Ein- oder Auszahlen von Bargeld", sagte Hamers. Daher würden künftig deutlich weniger Bankfilialen benötigt.

Großer Einschnitt für die Mitarbeiter
Für die Beschäftigten bedeute diese Entwicklung einen großen Einschnitt. "Wenn Sie die Zahl der Filialen reduzieren, heißt das, dass Mitarbeiter sich verändern müssen", erklärte Hamers. Manche Angestellte könnten sicherlich umgeschult werden. Das werde aber längst nicht in allen Fällen funktionieren. "Aus einem Filialmitarbeiter werden Sie so schnell keinen Datenexperten machen", erklärte der ING-Chef.

Sein Institut habe allein in den Niederlanden die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Eine seriöse Vorhersage dazu, wie viele Stellen aufgrund der Digitalisierung insgesamt wegfallen werden, könne er nicht treffen, sagte Hamers. Deutschland werde von einem Arbeitsplatzabbau aber deutlich weniger stark betroffen sein als andere Länder, da das Geschäft hier bereits weitestgehend digital aufgestellt ist. (am)