Der Immobilienmarkt ist trotz Corona-Krise weiter intakt und die Wohnimmobilienpreise, insbesondere solche für Einfamilienhäuser, sind weiter im Aufwind. Diese Entwicklung wird laut den Kreditexperten von Infina von einer regen Neukreditvergabe begleitet.

Die Neuvergaben von Krediten für Wohnbauzwecke an private Haushalte stiegen in Österreich in den Monaten Jänner bis Juli 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum demnach um satte 16,3 Prozent auf 13.297 Millionen Euro. Die Wachstumsdynamik zeigte sich insbesondere in den Sommermonaten mit jeweils plus 16,4 beziehungsweise 19 Prozent im Juni und Juli.

"Schaffung von Wohneigentum sehr gefragt"
"Immobilien sind Sachwerte. Neben einem starken Drang in Edelmetalle sind Investitionen in Anlegerwohnungen und die Schaffung von Wohneigentum sehr gefragt. Diese Entwicklungen, bei gleichzeitig starkem Anstieg der Sparquote, zeigen, dass die aktuelle Krise ihre Spuren zu hinterlassen beginnt und ein Vertrauensverlust spürbar wird", erklären die Infina-Experten.

Begünstigt wird diese Entwicklung noch von rückläufigen Zinsen. Vom 1. Juli bis zum 1. Oktober 2020 ging der geläufige Referenzzinssatz für variabel verzinste Kredite, der 3-Monats-Euribor, um 8,1 Basispunkte (bp) auf minus 0,498 Prozent weiter zurück und der für zehnjährige Fixzinsbindungen relevante 10-Jahres-Euro-Zinsswapsatz (Zinstausch 10 Jahre fix / 6-Monats-Euribor variabel) entwickelte sich im gleichen Zeitraum um 9,9 Basispunkte auf minus 0,238 Prozent rückläufig. Ähnliche Rückgänge waren bei den noch länger laufenden Zinsswapsätzen festzustellen.

Infina Kredit Index
Gemäß dem aktuellen Infina Kredit Index (IKI), einer zwölf Banken umfassenden quartalsweise erhobenen Marktstichprobe, erreichten in diesem variable Zinsen ein historisches Tief. Zinsen für variabel verzinste Kredite verbilligten sich im Schnitt auf 0,658 Prozent p. a., bei unmittelbarer Weitergabe des zugrundeliegenden (negativen) Referenzzinssatzes. Am Kreditmarkt setzen sich nun auch sehr langfristige Fixzinsbindungen durch. Kreditinstitute sichern sich damit über einen langen Zeitraum einen konstanten Zinsertrag. Im Vergleich günstig wurden 25- und 30jährige Fixzinsbindungen. Bei guten Bonitäten und unter der Voraussetzung etwas höherer Kreditsummen sind Zinssätze bereits ab 1,25 Prozent p. a. erhältlich. Die Zinsunterschiede zwischen der günstigsten und teuersten Bank der Marktstichprobe IKI haben sich bei den Fixzinskrediten etwas eingeengt, liegen jedoch noch immer bei rund 0,5 Prozent p. a.

Die Corona-Krise brachte für Kreditnehmer Anpassungen bei der Kreditvergabe: Die angebotenen Kreditlaufzeiten werden tendenziell kürzer und der geforderte Eigenmittelanteil für Finanzierungen ist durchschnittlich angestiegen. "Kreditinstitute unterscheiden intern zwischen systemrelevanten und nicht-systemrelevanten Berufen. Systemrelevante Berufe, wie zum Beispiel jene im Gesundheitswesen, gelten dann als sicherer. Dies wirkt sich auf das individuelle Kundenrating und in der Folge auf die angebotene Zinskondition aus", erklärt man bei Infina.

Insbesondere die höchst unsichere wirtschaftliche Entwicklung während der nächsten Monate bis Ende 2021 wird aus Sicht von Infina für Kreditinstitute noch einige Herausforderungen bringen. "Anzunehmen ist, dass sich dies negativ in den Bankenbilanzen bemerkbar machen wird. Steigende Risikokosten (und damit Kreditzinsen) könnten die Folge sein. Vor allem weniger guten Bonitäten droht in diesem Krisenszenario bei einer Neukreditaufnahme daher eine Konditionenverteuerung", so die Finanzierungsspezialisten abschließend. (gp)