Der enorme Wettbewerb im Bereich langfristiger Wohnkredite sorgt mittlerweile für einen regelrechten "Kampf um Kreditkunden". Da Kreditinstitute einerseits über ausreichend Liquidität verfügen und andererseits die EZB noch immer Strafzinsen für Einlagen bei ihr erhebt, werden durch die Geldhäuser nachhaltige Anlagen mit solidem Zinsertrag gesucht. Langfristige Wohnbaukredite bieten beides, dies sorgt für ein äußerst attraktives Zinspreisgefüge für Kreditnehmer. Dies gilt sowohl für variabel als auch fix verzinste Wohnbaukredite. Das zeigt der neue Kredit-Index, den die Experten von Infina erstellt haben. Der Index misst die Änderungen von Konditionen und Kreditraten für langfristige Wohnkredite. 

Verschärfter Konditionswettbewerb 
So zeigen die aktuellen IKI Daten vor allem im Segment der Kunden mit guter Bonität ein verschärfter Konditionswettbewerb. Selbst die variablen Zinsen wurden trotz verpflichtender Weitergabe von Negativzinsen im Indikator (bis zur Höhe des verrechneten Bankenaufschlags bei Verbraucherkrediten) günstiger. Der durchschnittliche Aufschlag auf den 3-Monats-Euribor sank gegenüber dem Vorquartal nochmals um 6 Basispunkte auf 1,315 Prozentpunkte und somit auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2017.

Auf Jahressicht wurden variable Wohnkredite sogar um knapp 0,2 Prozentpunkte günstiger. Im Falle eines Pauschalratenkredites mit 25 Jahren Laufzeit und einem Volumen von 100.000 Euro verbilligte sich somit die Monatsrate um 8,03 auf 428,72 Euro. Gleichzeitig nähern sich die Konditionen der einzelnen Kreditinstitute immer mehr an. Die Hälfte der Institute der Marktstichprobe verlangte bei guten Kunden mit maximaler Belehnung (LTV, loan to value) von bis zu 80 Prozent des Immobilienwertes und überdurchschnittlichem Einkommen nur noch eine Marge von 1,25 Prozent. Fünf Banken der Marktstichprobe senkten ihre Aufschläge. Dem steht lediglich eine Erhöhung gegenüber, während sechs Institute ihre Konditionen gleich beließen.

Fixzinskredite wurden trotz steigender Swapsätze günstiger
Der Kampf um die Kreditkunden zeigt sich noch deutlicher im Bereich der Fixzinskredite. Im 3. Quartal verteuerte sich nämlich der 10 Jahres EURIBOR ICE Swapsatz um 12 Basispunkte auf 0,98 Prozent. Der 15 Jahres EUR Int. Rate Swapsatz und jener für 20 Jahre verteuerten sich um jeweils 10 Basispunkte auf 1,32 bzw. 1,38 Prozent. Die Zinskurve wird weiter flacher und die Attraktivität von 15- und 20-jährigen oder gar längeren Fixzinsen steigt an. Dies zeigt auch der IKI, denn gegen den allgemeinen Markttrend haben Banken im Laufe des 3. Quartals vor allem ihre langfristigen Fixzinssätze verbessert.

Am stärksten war die Verbilligung bei den 15jährigen Fixzinssätzen zu spüren. Die durchschnittliche Nominalverzinsung in der Marktstichprobe ging absolut um 9,7 Basispunkte auf 2,058 Prozent zurück. Interessant ist dabei die starke Annäherung der Konditionen zwischen den einzelnen Instituten, sodass diese sich in einer engen Bandbreite von 1,875 bis 2,25 Prozent p.a. bewegten.

Bei den 20jährigen Fixzinsbindungen ging die durchschnittliche Kreditverzinsung auf 2,296 Prozent p.a. zurück. Auffallend ist dabei ebenfalls die sehr enge Bandbreite zwischen 2,125 und 2,40 Prozent p.a. Immerhin noch um 5,2 Basispunkte auf 1,811 Prozent p.a. verbilligten sich zehnjährige Fixzinsbindungen. Innerhalb der Stichprobe lag hier die Konditionenbandbreite zwischen 1,625 und 2,0 Prozent p.a.

2019 - keine höheren Bankenaufschläge zu erwarten
Laut Infina spricht aus heutiger Sicht auch 2019 nichts dafür, dass Banken die verrechneten Aufschläge merklich anheben werden können. Für den Kreditmarkt ist weiterhin sehr viel Liquidität vorhanden und Kreditinstitute wie Banken und Bausparkassen wollen Kredite vergeben um Erträge zu generieren und keine Marktanteile zu verlieren. In Bezug auf die allgemeinen Marktzinssätze ist im kurzfristigen Bereich (Euribor) jedoch zu erwarten, dass Negativzinsen über kurz oder lang der Vergangenheit angehören werden. Bei den langfristigen Zinsen (Swapsätze) ist ebenso mit einer moderaten Steigerung zu rechnen, was dann insgesamt zu ansteigenden Fixzinssätzen führen würde. (gp)