Der amerikanische Asset Manager Fidelity Investments startet ein Portal, in dem Privatanleger sich selbst einen Index bauen können. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung "Financial Times". Demnach können mit den sogenannten Fidelity Solo Fidfolios die Anleger nach ihren Wünschen ein Barometer mit Aktien und Aktien-Bezugsscheinen (ADRs) bauen und damit ihr Depot bestücken. Das US-Haus Fidelity bietet in seinem Heimatmarkt neben Fonds auch Brokerage-Dienste für Privatanleger. In Europa ist hingegen die Gesellschaft Fidelity International aktiv.

Mit dem Schritt erreicht zumindest in den USA die Verbreitung von individuellen Wertpapierindizes eine neue Dimension. Auf einzelne Anleger maßgeschneiderte Börsenbarometer waren lange praktisch nur für Großinvestoren wie Pensionskassen, Versorgungswerke oder Versicherer zugänglich. Im Zuge der technischen Entwicklung kamen aber immer mehr Dienstleister auf den Markt, die auch der wohlhabenderen Kundschaft von Privatbanken und Vermögensverwaltern den Bau von Indizes ermöglichen.

Aktien ab einem Dollar
Fidelity Investments bricht diesen Trend nun bis zu den Privatanlegern hinunter. Der Dienst soll in den kommenden Wochen starten. Die entsprechende Website ist bereits online. Bei der Konstruktion ihres Barometers können Anleger frei wählen, ist auf den Internetseiten nachzulesen. Die Mindestgröße je Aktie beläuft sich auf lediglich einen US-Dollar. Alternativ können Sparer sich an 13 vorgefertigten, thematischen Modell-Portfolios orientieren. Die Anleger können jederzeit ihren Index anpassen, die Gewichte der ausgewählten Titel rebalancieren sowie höher oder niedriger setzen.

"Die Einführung von Investmentfonds war ein Wendepunkt für den einfachen Anleger, da sie ihm den Zugang zu den Finanzmärkten ermöglichten, der zuvor nur den Wohlhabenden vorbehalten war", jubelt Fidelity in einer Mitteilung. "Dann kamen ETFs auf und halfen bei der Diversifizierung und den Steuervorteilen. Was kommt als Nächstes? Direkte Indexierung."

Gezielte Übernahmen
Tatsächlich kam es in der Asset-Management-Branche zuletzt zu einigen Übernahmen von Häusern, die auf den Bau individueller Indizes spezialisiert sind. So kaufte die Schweizer Großbank UBS den auf Indexstrategien ausgerichteten Robo-Advisor Wealthfront. Der US-Gigant Vanguard wiederum kaufte in seiner Firmengeschichte überhaupt zum ersten Mal zu und sicherte sich Just Invest. Die Boutique aus Kalifornien hat sich auf die Entwicklung maßgeschneiderter Börsenbarometer spezialisiert. (ert)