Als Personalberaterin hat Karin Schambach einen direkten Draht in die Führungsetagen der Asset Manager. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE verrät die Geschäftsführerin von Indigo Headhunters, was sich ihrer Beobachtung nach in den vergangenen Monaten in der Fondsbranche geändert hat.


Frau Schambach, Sie beobachten die Fondsanbieter aus der Headhunter-Perspektive. Wie ist die Stimmung in Zeiten der Pandemie? Herrscht in der Branche Corona-Angst? Oder ist die Laune gut, weil sich die Börsen so schnell wieder erholt haben?

Karin Schambach: Die Erwartung einer Börsenkorrektur gab es in der Branche schon vor Corona. Nach zehn Jahren Hausse schwebte ein Markteinbruch wie ein Damoklesschwert über dem Sektor. Dann kam der Corona-Crash. Viele Führungskräfte waren natürlich verunsichert, sprachen aber auch von einem großen Glück: Das Asset Management generiert laufende Einnahmen, während andere Branchen von einem Tag auf den anderen nichts mehr verdienten.

Allerdings ist das Volumen, auf das sich die Managementgebühren beziehen, deutlich geschrumpft – zumindest kurzfristig.

Schambach: Ja, aber unter dem Strich hat Corona im Asset Management bislang keinen großen Ertragseinbruch hinterlassen, sondern nur eine gewisse Delle. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Pandemie ein Weckruf für die Branche war: Viele nötige Einschnitte, die die Anbieter seit langer Zeit vor sich herschieben, werden nun angepackt. Corona gibt ihnen die Berechtigung, die ihnen in den vergangenen Jahren fehlte. Das zeigt sich zum einen bei der Zahl der Stellen insgesamt, die über die kommenden Jahre sinken dürfte, und zum anderen mit Blick auf die Vergütung. Die Zeit der steigenden Gehälter und großen Boni ist vorbei, und ich sehe keinen Grund, warum es in nächster Zeit wieder aufwärts gehen sollte. Vor Corona war es üblich, dass Bewerber einen garantieren Bonus verlangten, um einem Wechsel zuzustimmen. Das ist heute nicht mehr durchsetzbar. Die Botschaft ist klar: Für 2020 sollte niemand einen Bonus auf dem Niveau vergangener Jahre erwarten, und auch danach ist eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau unwahrscheinlich.

Sind die Führungskräfte denn überhaupt zu einem Wechsel bereit? Oder klammern sie sich in unsicheren Zeiten eher an ihren alten Job?

Schambach: Die Wechselbereitschaft ist durchaus vorhanden. In der Krise erscheint vielen auch der alte Job unsicher, außerdem kristallisiert sich heraus, welche Geschäftsmodelle zukunftsfähig sind und welche nicht. Da liebäugeln schon viele mit einem Absprung. Wir haben jedenfalls keine Probleme, gute Kandidaten an den Tisch zu bekommen. Allerdings hat die Zahl der Gespräche deutlich abgenommen, weil es weniger freie Stellen gibt. In den vergangenen Jahren hatten sehr viele unserer Mandanten neue Vertriebspositionen zu vergeben, aktuell herrscht Zurückhaltung. Das liegt übrigens nicht nur daran, dass die Anbieter auf der Kostenbremse stehen, sondern auch an den besonderen Umständen. Die meisten angelsächsischen Asset Manager arbeiten bis mindestens Ende dieses Jahres fast komplett aus dem Home Office. Ein Anbieter hat schon verkündet, dass die Mitarbeiter Stand jetzt bis Ende 2021 von zuhause arbeiten sollen.

Das erschwert die Einarbeitung neuer Kollegen natürlich.

Schambach: In anderen Branchen funktioniert das zum Teil schon ganz gut, aber die Asset Manager tun sich damit meist noch schwer. Ich habe mit Kandidaten gesprochen, die ich vor Corona vermittelt hatte, deren erster Arbeitstag aber in den Lockdown fiel. Die hatten Videokonferenzen in Dauerschleife, sie saßen die ganze Zeit vor dem Bildschirm – ohne Chance, sich mal zu bewegen. Das ist eigentlich unzumutbar.

Wird Home-Office dennoch zum Standard?

Schambach: Das muss sich noch zeigen. Die Unternehmen denken jedenfalls schon darüber nach, wie groß ihr Büro eigentlich noch sein muss und ob jeder Fondsmanager noch einen festen Schreibtisch braucht. Doch es wird ein langwieriger Prozess sein, bis klar ist, wie wir in einigen Jahren arbeiten werden. Viele Bewerber meinen schon, dass es kein Problem sei, von München aus für einen Frankfurter Asset Manager zu arbeiten, aber so schnell haben sich die Unternehmen nicht umgestellt. Bis eine solche Flexibilität im großen Stil gelebt wird, dürften noch einige Jahre vergehen. Übrigens höre ich von den Arbeitgebern mittlerweile immer häufiger Kritik am Home-Office-Modell.

Warum das?

Schambach: Die Unternehmen haben während Corona gemerkt, dass sich das operative Geschäft zwar gut aus dem Home-Office abwickeln lässt, dass aber die Kreativität auf der Strecke bleibt. Anfangs war davon keine Rede, mittlerweile höre ich das immer wieder. Videokonferenzen sind meist sehr statisch. Daraus Inspiration zu ziehen, ist wirklich schwierig. Viele Mitarbeiter machen es sich zuhause regelrecht bequem. Die Firmen sollten bewusst Räume für Kreativität schaffen. Regelmäßige persönliche Treffen bleiben wichtig – auch wenn aktuell natürlich der Fokus darauf liegen muss, die Kontakte einzuschränken, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Sie können Home-Office also nicht empfehlen?

Schambach: Doch, es gibt viele Vorteile! Ich habe den Eindruck, dass wir die Digitalisierung zum ersten Mal nicht nur zur Beschleunigung nutzen, sondern auch zur Entlastung. Das ist ein wirklicher Fortschritt. Das Home-Office wird bleiben. Die Unternehmen müssen aber die Nachteile in den Griff bekommen. Das ist nicht nur die Gefahr versiegender Kreativität. Hinzu kommt ein anderer Punkt: Wenn ich nur noch vom Home-Office aus arbeite und keinen persönlichen Kontakt zu meinen Kollegen habe, kann ich für jeden arbeiten. Das mindert die Loyalität zum Arbeitgeber.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)