Die Goldgräberzeiten im unabhängigen Finanzvertrieb Österreich liegen nun schon etliche Jahre zurück. Seit mehr als einer Dekade stehen die Zeichen auf Konsolidierung. Schwierige Rahmenbedingungen veranlassten viele vormals konzessionierte Unternehmen zum Anschluss an Haftungsdächer, um die Kosten unter Kontrolle zu halten. Zu den Wertpapierfirmen, die von dem Trend profitieren konnten, zählt mittlerweile auch die in Linz ansässige WSS Vermögensma­nagement. Mit einem verwalteten Vermögen von über 350 Millionen Euro zählt sie heute zu den größten bankenunabhängigen Vermögensverwaltern Österreichs.

WSS-Gründer Markus Weissörtel blickt zurück: "Als wir mit der Vermögensverwaltung im Jahr 2005 starteten, gab es 104 große Konzessionen, jetzt sind es gerade noch 40. Und der Konzentrationsprozess geht unserer Meinung nach weiter." Von der klassischen Vermögensverwaltung kommend entdeckte man das Haftungsdachgeschäft eher durch Zufall, erinnert sich Weissörtel: "Vor zwei Jahren legte einer unserer jetzigen Partner die große Konzession zurück und war auf der Suche nach einem Abwicklungspartner. Das war der Startschuss für unser Haftungsdach."

Inzwischen sind einige Partner hinzugekommen, etliche davon haben ihre kleine Konzes­sion zurückgelegt. "Nachdem bereits alle Prozesse aufgesetzt waren, war es ein logischer Schritt, in die Breite zu gehen", erklärt der WSS-Gründer. Mittlerweile hat die Wertpapierfirma ­insgesamt sieben Haftungsdachpartner, die in etwa ein Volumen von 80 Millionen Euro ­betreuen. Damit soll das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein.

haftungsdach.at
Mit dem neu geschaffenen Onlineauftritt haftungsdach.at will man nun richtig durchstarten. "Wir haben gespürt, dass Bedarf vorhanden ist und viele Unternehmen mit der Bürokratie nicht mehr zurande kommen. Mit einer kleinen Konzession wird das Überleben immer schwieriger. Die Leute möchten jedoch Gestaltungs- und Handlungsspielraum haben. Also haben wir gesagt, dass wir die notwendigen Rahmenbedingungen für diese Zielgruppe schaffen", erklärt Michael Schwaiger, der bei WSS für das Haftungsdach zuständig ist. Dass es in diesem Bereich auch heute noch Konkurrenten gibt, stört WSS dabei nicht.

Die Linzer sind durchaus selbstbewusst, was die Unterscheidungsmerkmale zum Mitbewerb betrifft. "Wir bieten den vertraglich gebundenen Vermittlern größtmöglichen Spielraum: So können Berater bei uns auch ausgewählte Einzeltitel abwickeln. Sowohl im Investmentfondsbereich als auch bei den Einzeltiteln liegt die Auswahl im dreistelligen Bereich", so Schwaiger.

Dass man über das Haftungsdach auch die eigene Vermögensverwaltung stärker vermarkten möchte, liegt auf der Hand, Zwang wird dabei aber nicht ausgeübt. Weissörtel betont, dass die angeschlossenen VGV keineswegs die hauseigene Vermögensverwaltung verkaufen müssen. Sein Ehrgeiz bestehe darin, ein möglichst flexibles Angebot zu haben, wobei auch die Hoffnung mitschwinge, dass die Berater die Vorteile der Vermögensverwaltung erkennen und nutzen. Den zentralen Vorteil seiner Vermögensverwaltung sieht das Unternehmen im reduzierten Haftungsrisiko und dem vergleichsweise geringen Aufwand beim Beratungs- und ­Dokumentationsprozesses.  (gp)


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