Generation 50+: Finanzielle Sorgen im Alter, aber wenig Vorsorge
Trotz wachsender Unsicherheit über die finanzielle Situation im Ruhestand bleibt konkrete Vorsorge bei vielen aus. Eine aktuelle Umfrage von Standard Life zeigt: Das Problembewusstsein ist da – der Handlungswille oft nicht.
Die finanzielle Unsicherheit im Ruhestand wächst – doch konkrete Vorsorge bleibt bei vielen aus. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Integral im Auftrag von Standard Life unter Personen zwischen 50 und 75 Jahren in Österreich. Demnach glauben nur vier von zehn Befragten, ihren bisherigen Lebensstandard auch in der Pension halten zu können.
Hohe Ausgaben, wenig Planung
58 Prozent der Befragten rechnen im Ruhestand mit gleich hohen oder sogar höheren Ausgaben als während des Erwerbslebens. Trotzdem haben nur 22 Prozent bereits einen konkreten Finanzplan für diese Lebensphase erstellt. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) gibt an, überhaupt keine strukturierte finanzielle Planung anzugehen.
Dabei ist das Wissen über die eigene Pension durchaus vorhanden: Sechs von zehn Befragten über 50, die noch nicht im Ruhestand sind, kennen laut Umfrage den Stand ihres Pensionskontos zumindest eher genau.
"Die Studienergebnisse zeigen eine deutliche Lücke zwischen Problembewusstsein und tatsächlicher Vorsorge. Viele Menschen rechnen mit finanziellen Einschränkungen im Ruhestand, setzen sich jedoch zu spät oder gar nicht systematisch mit ihrer künftigen Einkommens- und Ausgabensituation auseinander", sagt Christian Nuschele, Head of Distribution & Marketing bei Standard Life Österreich.
Sorge vor Reformen und Pflegekosten
Große Unsicherheit herrscht auch bei strukturellen Fragen des Pensionssystems. So erwarten 56 Prozent, dass das gesetzliche Pensionsantrittsalter innerhalb der nächsten fünf Jahre angehoben wird. Nur drei Prozent glauben, dass dies auch in den kommenden 20 Jahren nicht passieren wird.
Zusätzlich sieht jede zweite befragte Person mögliche Pflegekosten – sei es für sich selbst oder Angehörige – als potenziell große finanzielle Belastung im Alter.
Beratung bleibt Ausnahme
Trotz dieser Unsicherheiten verzichten viele auf professionelle Unterstützung. 78 Prozent jener, die sich bereits mit ihrer Altersvorsorge beschäftigen oder dies noch planen, wollen die Organisation eigenständig übernehmen. Nur jeder Fünfte greift auf Beratung durch Banken, Finanzdienstleister oder Versicherungsberater zurück.
Liquidität schlägt lebenslange Rente
Bei der Wahl von Vorsorgeprodukten dominieren Sicherheits- und Liquiditätsaspekte. Für 60 Prozent ist die jederzeitige Verfügbarkeit des Kapitals besonders wichtig, 46 Prozent nennen Sicherheit als zentrales Kriterium.
Auffällig: 44 Prozent würden sich ihr angespartes Kapital zu Pensionsbeginn lieber vollständig auszahlen lassen. Nur 18 Prozent bevorzugen eine lebenslange monatliche Rentenzahlung, während 31 Prozent eine Mischform favorisieren.
Zunehmende Unsicherheit
"Aus volkswirtschaftlicher Perspektive spiegeln die Ergebnisse eine zunehmende Unsicherheit wider: Menschen suchen finanzielle Kontrolle in einem Umfeld, das als schwer kalkulierbar wahrgenommen wird. Angesichts des demografischen Wandels und struktureller Veränderungen am Arbeitsmarkt wird der Finanzierungsdruck in den kommenden Jahren weiter steigen", erklärt Thomas Url, Senior Economist am WIFO.
Für Berater zeigt die Studie vor allem eines: Zwischen Informationsstand und vorausschauendem Handeln klafft oft eine erhebliche Lücke. Wer seinen Pensionskontostand kennt, aber keine strukturierten Szenarien für Kapitalbedarf, Inflation oder Lebenserwartung entwickelt, läuft Gefahr, Versorgungslücken zu unterschätzen. (gp)















