Wenn Bernhard Pogotz, Kriminalist und Analyst bei der Geldwäschemeldestelle, vor Finanzexperten die Fallbeispiele aus seiner täglichen Arbeit präsentiert, sind die Lacher auf seiner Seite. Da wären zum Beispiel äußerst "halbherzig" gefälschte Meldezettel, auf denen anstatt "Meldedaten" nur noch "Melded" zu lesen ist, oder aus dem Familiennamen ein "Familianname" wurde. Kaum vorstellbar, dass man mit derart auffälligen Fälschungen weit kommt. Und doch: Mit einem dieser Meldezettel gelang es einem Betrüger, bei fünf Banken ein Konto eröffnen und bei zwei einen Kredit zu bekommen, so Pogotz.

Erster Kontakt zu Kriminellen
"Sie sind der erste Kontakt zum vermeintlichen Täter, je sorgfältiger Sie sind, desto schwieriger wird es für Kriminelle", appellierte Pogotz vergangene Woche beim Weiterbildungs-Kickoff der Finanzdienstleister an die anwesenden Experten. "Es ist schon hilfreich, wenn Sie Dokumente aufmerksam lesen und überlegen, ob Angaben wie das Alter zum Gegenüber passen. Auch einen Fall, wo ein Mann sich mit dem Reisepass einer Frau ausgewiesen hat, hatten wir schon", so Pogotz. Durch das Erkennen der gröbsten Fälschungen könne bereits hoher Schaden vermieden werden.

80 Prozent der Straftaten seien finanziell motiviert, so Pogotz. Laut einer Schätzung würden weltweit 800 Milliarden bis zu zwei Billionen Euro pro Jahr gewaschen. Geld, das der Wirtschaft, den Sozialsystemen, der Gesellschaft verloren geht.

Banken melden am häufigsten
In Österreich werden derzeit nur wenige Verdachtsmeldungen durch gewerbliche Finanzberater eingebracht. Von den 3.415 Meldungen, die die Geldwäschestelle im Jahr 2019 erhalten hat, stammen die allermeisten – nämlich 2.689 – von Banken. Von Notaren kamen 29, von Rechtsanwälten 26 und von Versicherungen zehn. In der Rubrik Gewerbetreibende sind nur sieben Meldungen verbucht. Weniger bringen nur Buchhalter (fünf) und Immobilienmakler (zwei) ein, wie die Daten der Meldestelle zeigen.

Dennoch steigt die Aufmerksamkeit, die dem Thema gewidmet wird, aufgrund immer strenger werdender regulatorischer Vorgaben stark an. Zwischen 2016 und 2019 hat die Zahl der jährlichen Verdachtsmeldungen in Österreich um 18 Prozent zugelegt.

"Keine Scheu vor Nachfragen"
Das wichtigste sei, dass sich Vermögensberater bei der Frage nach der Herkunft des Geldes nicht abbringen lassen. "Scheuen Sie sich bei Unklarheit nicht, nachzubohren. Kann jemand etwas nicht schlüssig erklären, bitten wir Sie, sich bei uns zu melden", so Pogotz.

Für die Meldung steht seit August 2019 die neue Datenbank "GoAML" zur Verfügung. Sie ist über das Unternehmensserviceportal (USP) zugänglich und löst das alte Meldeformular ab. Die Anmeldung erfolgt über Bürgerkarte oder Handysignatur. Die Datenbank sei für die zur Meldung verpflichteten Personen kostenlos und werde in Österreich durch das Innenministerium gewartet. Praktisch für den Berufsalltag: Über die Plattform erhält man auch Warnmeldungen über neue Fälschungen oder Verdächtige.

Man kann die Geldwäschemeldestelle auch telefonisch oder per E-Mail kontaktieren. Es würden Beamte zur Verfügung stehen, die bei Unsicherheiten weiterhelfen, so Pogotz.

"Sind Analysten, keine Ermittler"
Die im Innenministerium angesiedelte Geldwäschemeldestelle (Bundeskriminalamt "Büro 7.3.3") ist keine Ermittlungsbehörde, sondern eine Analyseeinheit, wie Pogotz erklärt. Hier werden die eingelangten Daten überprüft und die Herkunft des Geldes plausibilisiert und Verdachtsfälle an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Für ihre Analyse greifen die Experten auf kriminalpolizeiliche Datenbanken, Analysedatenbanken (Orbis, World-Check...) oder öffentliche Register (Firmenbuch, Grundbuch, WiEReg) wie auf das Internet. "Es ist erstaunlich, was man mittlerweile alles über Personen im Internet findet", so Pogotz. Ab Herbst gibt es für die Analysten auch Zugriff auf die Kontenregister. (eml)


Service: Die im BMI angesiedelte Geldwäschemeldestelle (Büro 7.3.3.) ist unter +43 1 24836 985298 oder a-fiu@bmi.gv.at erreichbar. Journaldienst ist Montag-Freitag von 9:00 Uhr bis 17:00.