Männer verdienen in vielen Berufszweigen deutlich mehr als Frauen, das ist in vielen Ländern so. In Deutschland liegt ihr Einkommen im Schnitt 21 Prozent über dem der Damenwelt. Auch in der Schweiz gibt es eine Lücke zwischen Männer- und Frauengehältern. Zwei Ökonominnen der Universität Basel haben nun ein interessantes Detail herausgefunden: In persönlichen Befragungen von Paaren gibt mehr als ein Drittel der Frauen an, weniger zu verdienen als der Mann – obwohl das gar nicht stimmt.

Laut der Studie, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet, gibt bei jedem dritten Paar die Frau einfach nicht gerne zu, dass sie die Hauptverdienerin ist. Womöglich gehen Frauen davon aus, dass das sensible männliche Ego solcherlei Bloßstellung schlicht nicht verkraften würde. Paare machten jedenfalls besonders häufig dann falsche Angaben über ihre Einkommensverhältnisse, wenn die Frau schlechter ausgebildet war als der Mann oder genauso gut, oder wenn sie weniger Stunden arbeitete – und umgerechnet dennoch mehr verdiente.

Umfragen neu lesen
Das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern dürfte insgesamt trotzdem nicht kleiner sein als gedacht. Bei der Berechnung der "Gender Pay Gap" verlassen sich Statistiker nämlich nicht auf Umfragen, sondern ziehen in der Regel harte Zahlen heran. Die neuen Erkenntnisse über die Gehalts-Tiefstapelei von Frauen könnten allerdings dabei helfen, die geschlechtsbedingte Lohnlücke zu schließen.

Bislang gingen Wissenschaftler, die sich Gehaltsumfragen anschauten, davon aus, dass viele Frauen absichtlich nur so viel arbeiten, dass sie beim Gehalt etwas hinter ihrem Partner zurückbleiben. Gehaltsangaben in solchen Umfragen sind aber offenbar mit Vorsicht zu genießen. Das könnte für Politiker, die das Lohngefälle bekämpfen, eine wichtige Information sein, glauben die Studienautorinnen. (fp)