Ein niedriger Tracking Error wird von vielen Investoren als Hinweis auf geringe Überzeugung des Portfoliomanagers gewertet. Oft geschieht das zu Unrecht, sagt Paul Moghtader, Fondsmanager bei Lazard Asset Management. Statt auf möglichst große Abweichungen von der Benchmark zu setzen, komme es auf eine hohe Information Ratio an – also ein möglichst günstiges Verhältnis von Ertrag zu eingegangenem Risiko.

Der Tracking Error misst, wie stark ein Portfolio von seiner Benchmark abweicht, und wird daher oft als Indikator für aktives Risiko interpretiert. "Ein niedriger Tracking Error bedeutet aber nicht automatisch geringe Überzeugung", so Moghtader. Vielmehr könne auch ein disziplinierter, breit diversifizierter Investmentansatz zu einer geringeren Indexabweichung führen.

Makro-Wetten bergen hohe Risiken
Grundsätzlich gehen laut Moghtader alle aktiven Manager Wetten gegenüber ihrer Benchmark ein, um Alpha zu erzielen. Problematisch werde es jedoch, wenn diese stark auf einzelne Stilfaktoren, Sektoren oder makroökonomische Entwicklungen konzentriert seien – ein typisches Merkmal von Strategien mit hohem Tracking Error. Denn: "Stilrotationen sind schwer vorherzusagen", erklärt Moghtader und verweist auf die Dotcom-Phase, in der viele Investoren trotz richtiger Einschätzung zu früh auf Value setzten und dadurch erhebliche Renditen verpassten.

In den vergangenen Jahren habe sich dieses Risiko weiter verstärkt. Die Dominanz weniger großer Technologiewerte habe zu extremen Performanceunterschieden zwischen Sektoren geführt. Solche makrogetriebenen Positionierungen könnten den Tracking Error erhöhen, gleichzeitig aber auch das Verlustrisiko deutlich steigern, wenn Trends falsch eingeschätzt werden.

Fokus auf Einzeltitelselektion
Moghtader bevorzugt einen anderen Ansatz: Statt auf große Makro-Wetten zu setzen, zielt er auf eine Vielzahl kleiner, aktiver Renditebeiträge auf Einzeltitelebene. "Wir strukturieren unsere Portfolios bewusst so, dass sie aus Länder-, Sektor- und Größensicht eng an der Benchmark ausgerichtet sind", erläutert der Portfoliomanager. "Innerhalb dieses Rahmens konzentrieren wir uns dann auf die Analyse einzelner Unternehmen, etwa hinsichtlich Cashflow-Qualität, Bewertung, Sentiment oder langfristiges Wachstumspotenzial."

Dieser Bottom-up-Ansatz ermögliche es, ein breites Anlageuniversum zu nutzen und gleichzeitig unbeabsichtigte Makro-Exposures zu minimieren. Dadurch könne über die Zeit eine stabilere Wertentwicklung erzielt werden – bei gleichzeitig effizienterem Einsatz von aktivem Risiko, gemessen an einer höheren Information Ratio. Solche Strategien, die stärker auf Einzeltitelselektion als auf Makro-Timing setzen, können laut Moghtader über Marktzyklen hinweg stabile Renditen, höhere Information Ratios und eine geringere Volatilität erzielen. (jh)