Am Übergang zum Ruhestand fragen sich viele Sparer, wie sie ihr Vermögen nutzen können, ohne die Vermögenssubstanz irgendwann aufzubrauchen. Denn die Sichtweise auf die Märkte verändert sich in der Entnahmephase deutlich, sagt Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank: "Während in der Ansparphase Rücksetzer im Markt sogar gut sein können, um günstig nachkaufen zu können, kehrt sich die Logik in der Entsparphase um." Rendite sei dann Lebensqualität und Volatilität letzten Endes Unsicherheit: "Volatilität ist daher im Zweifelsfall eine Gefahr auch für die Lebensqualität“, so der Asset-Management-Leiter.

Aktien oder Anleihen
Performance sei zwar in der Entnahmephase nach wie vor wichtig, aber es gehe vor allem um Struktur und Planbarkeit. Behring verweist auf die sogenannte "Trinity-Studie" der Trinity University in Texas. Sie untersuche, wie viel man jährlich aus seinem Vermögen entnehmen kann, ohne nach 30 Jahren vor einem leeren Depot zu stehen. Der Studie zufolge könne man vier Prozent des Anfangsvermögens im Jahr entnehmen und hätte dann eine gute bis sehr gute Chance, das Vermögen nach 30 Jahren nicht komplett aufzubrauchen. "Bei einer Aktienquote von 75 Prozent lag die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende dieser 30 Jahre noch Geld übrig war, bei 98 Prozent", so Behring. Bei einer Aktienquote von 50 Prozent lag die Wahrscheinlichkeit, das vorhandene Vermögen nicht komplett aufzubrauchen, bei 95 Prozent.

Besonders interessant: Die Wahrscheinlichkeit eines Substanzverlustes steigt in der Retrospektive nicht etwa mit einer höheren Aktienquote, sondern eher mit einer höheren Rentenquote. Dazu Behring: "Entnimmt man einem reinen Rentenportfolio jährlich vier Prozent des Startvermögens, kommt die Studie auf eine Wahrscheinlichkeit von nur noch 20 Prozent, dass noch Vermögen übrig ist. Im Umkehrschluss wäre in 80 Prozent der Fälle bei einem reinen Rentenportfolio kein Geld mehr übrig gewesen."

Die ersten Jahre entscheiden
Natürlich gebe es aber Chancen und Risiken: So sei es in der Ansparphase relativ gleichgültig, ob schwächere Jahre am Anfang oder am Ende auftreten. Ganz anders in der Entnahmephase, sagt Behring: "Wenn gleich zu Beginn des Ruhestandes stärkere Marktverluste auftreten und gleichzeitig Kapital entnommen wird, sinkt das Vermögen gleich aus zwei Gründen. Weil es einen Bärenmarkt gibt, und weil man zusätzlich etwas entnimmt." Wenn die ersten drei bis fünf Jahre nach Entnahmebeginn aber positiv verlaufen, dann werde das Portfolio fast unzerstörbar. (jh)