Geschlechtervielfalt hat in der Wirtschaft nicht mehr die Bedeutung, die diesem Thema schon einmal beigemessen wurde. Es wird stiller um Frauenrechte und Gender Diversity. Doch genau deswegen bleibt das Karrierenetzwerk Fondsfrauen dran. "Politische und rechtliche Entwicklungen, insbesondere in den USA, führen dazu, dass viele international tätige Unternehmen ihre Diversity-Strategien anpassen müssen", sagte Fondsfrauen-Ideengeberin und -Mitgründerin Anne Connelly beim Gipfeltreffen des Netzwerks am Dienstag (10.3.) in Frankfurt. Insgesamt sei zu beobachten, dass Geschlechtervielfalt in vielen Organisationen zurückhaltender kommuniziert wird und Zielvorgaben teilweise aufgeweicht werden.

"Das sehen wir kritisch, denn ohne klare Ziele gibt es keine messbaren Fortschritte", erklärte Connelly. Dabei sei längst belegt, dass vielfältige Teams wirtschaftlich erfolgreicher sind. "Eine nachhaltige Personalpolitik hilft Unternehmen, Talente zu gewinnen, zu halten und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb ist Gender Diversity entscheidend", mahnte die Fondsfrau der ersten Stunde.

Ein neuer Rekord
Es war bereits der elfte Gipfel des Netzwerks, zum zweiten Mal fand das Spitzentreffen in Frankfurt statt. Der Grund für die Verlegung des Veranstaltungsorts von Mannheim in die Mainmetropole: Es braucht mehr Platz, denn immer mehr Frauen reisen zum Teil von weit her an, um dabei zu sein. 500 Gäste waren es diesmal – ein neuer Rekord. 

Dass es in Sachen Geschlechtervielfalt künftig mit weniger Power vorangehen wird, besagen nicht nur einzelne Stimmen aus dem Finanzsektor. Die fünfte Ausgabe des "Gender Diversity Reports", den die Fondsfrauen im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG und der Universität Mannheim erstellt haben, belegt es. "Zwar nehmen sogenannte 'Pink Ghettos' – also stark weiblich dominierte Funktionsbereiche – weiter ab", berichtete Connelly. Die Anzahl von Frauen in der Geschäftsführung steigt jedoch kaum und liegt bei lediglich 16 Prozent.

Mehr Freiraum auch für Männer
Gleichzeitig zeige sich, dass Frauen im Verhältnis zu ihrer inzwischen hohen Bewerbungsquote noch immer deutlich seltener eingestellt werden als Männer. "Dabei ist Gender Diversity wichtig, denn sie verschafft auch Männern mehr Freiraum in der Gestaltung ihrer eigenen Karrieren", sagte Connelly. Sie seien nicht mehr zu einer linearen Karriere "verdammt". "Gemeinsam mit ihren Partnerinnen können sie schauen, welche Laufbahn zu ihren persönlichen Bedürfnissen passt", so die Fondsfrauen-Mitgründerin.

Gerade für die sogenannte Generation Z, kurz: Gen Z, kann genau das ein wichtiger Aspekt sein. Denn für die jungen Leute, die zwischen 1995 und 2010 zur Welt gekommen sind, zählen Werte wie Diversität, Gerechtigkeit und Authentizität deutlich mehr als Positionen, Titel und Statussymbole. "Daher brauchen wir in Unternehmen auch einen neuen Führungsstil", erklärte Laura Bornmann in ihrem Vortrag "New Leadership – Wie wir zugleich leistungsorientiert und menschlich führen können". Die Expertin für Personalwesen und ehemalige Managerin erläuterte, warum Vertrauen heute der Grundpfeiler dafür ist, dass Mitarbeiter vollen Einsatz bringen und sich bereit zeigen, für einen Erfolg auch mal "die Extrameile zu gehen".

Mitarbeiter wirklich motivieren
"Oft gehen Führungskräfte davon aus, dass sich Beschäftigte nicht weiterentwickeln wollen", berichtete Bornmann. Doch das sei meist gar nicht der Fall. "Es kommt auf die Art der Kommunikation an", sagte die Expertin. "Wenn ich einem Mitarbeiter erkläre, wo ich noch deutliches Potenzial sehe und wie klasse ich es fände, wenn er es voll ausschöpfen würde, wirkt das sehr motivierend", so Bornmann. Auch echtes Interesse am persönlichen Hintergrund, der Familie oder den Hobbys der Kollegen führe dazu, dass sie sich gesehen fühlen. "Das baut Vertrauen auf", sagte Bornmann. Und auch Führungskräfte dürften sich ruhig mal von ihrer privaten Seite zeigen. "Wir geben unsere Probleme und Freuden ja nicht am Firmeneingang ab, wir müssen sie vor den Mitarbeitern nicht ständig verstecken", erklärte Bornmann. Harte Worte und Strenge hingegen wirkten gerade bei der Gen Z eher kontraproduktiv.

Und was braucht die Generation Z in der Geldanlage? Wie ticken die "Digital Natives" als Anleger? Auf welche Finanzprodukte setzen sie, und was ist ihnen in der Beratung wichtig? "Zunächst einmal ist festzuhalten, dass sich auch die Angehörigen der Gen Z persönliche Unterstützung bei der Kapitalanlage wünschen", sagte Annika Peters, Geschäftsführerin der Frauenfinanzberatung Barbara Rojahn & Kolleginnen, auf dem Panel zum Thema "Next-Gen Investing: Kundenerwartungen 2026". Zwar seien junge Kunden heute deutlich informierter, wüssten etwa, wie ETFs funktionieren. Einen Sparplan würden sie schon schnell mal digital per Knopfdruck abschließen.

Gemeinsam zur passenden Lösung
"Aber wenn es in die Tiefe geht oder wenn größere Summen investiert werden sollen, ist ihnen durchaus das persönliche Gespräch wichtig", so Peters. Gerade Frauen hätten einen starken Wunsch nach Transparenz, Sicherheit und Angeboten, die wirklich zu ihrer Lebenssituation passen. "Es geht darum, gemeinsam die richtige Lösung zu entwickeln", berichtete Peters.

Dennoch erwarten die "Digital Natives" gleichzeitig, dass sie als Selbstentscheider online investieren können, und zwar schnell und jederzeit. "Die Gruppe derer, die wirklich ein umfangreiches Finanzwissen aufgebaut haben, ist zwar eher klein", berichtete Heike Fürpaß-Peter, Geschäftsführerin der Fondsplattform Morgenfund. Doch auch für diese Gruppe müsse es Angebote geben. "Ich denke, Geldanlage sollte heute so digital wie möglich und so persönlich wie nötig angeboten werden", findet Fürpaß-Peter. Morgenfund hat daher neben einem rein digitalen Zugang auch einen Chatbot auf der Website und bietet über ein Callcenter zudem persönliche Beratung an.

Was nicht mehr zählt
Christian Machts, Länderchef Deutschland und Österreich bei Franklin Templeton, blickt mit Nervosität auf die Bedürfnisse der Genz-Z-Kunden. "In der Vergangenheit war es für eine Kaufentscheidung wichtig, dass man sich vom Wettbewerb klar abgrenzen konnte, zum Beispiel durch eine sehr gute Performance, aber das zählt nicht mehr", sagte Machts. Heute sei es entscheidend, eine echte Marke, einen "Brand", zu haben.

"Ich habe selbst zwei Kinder, die der Gen Z angehören, und ich merke, dass sie zwar nach Lösungen für ihre finanziellen Fragen suchen", so Machts. "Sie sind aber nicht bereit, sich selbst mit komplexen Themen auseinanderzusetzen", berichtete er. Dafür bräuchten junge Anleger heute einen Ort, an dem sie alles finden: gute Produkte, digitalen Zugang und Edukation. "Man muss neue Wege schaffen, um diese Kunden mitzunehmen", sagte Machts. Daher geht Franklin Templeton gerade eine Kooperation mit Finanzinfluencern ein. "Wir bereiten uns in einem großen Projekt derzeit auf die Bedürfnisse und Ansprüche der jungen Anlegergeneration vor, und da wird noch viel passieren", berichtete Machts.

Community von 6.000 Frauen
Auch bei den Fondsfrauen soll noch viel passieren. "Wir haben festgestellt, dass unsere Mentorenprogramme einen riesigen Zulauf haben", sagte Anne Connelly. Damit möglichst viele Finanzfrauen in den Genuss von Karrieretipps und Empfehlungen kommen, soll es ab dem Sommer digitale Master Classes geben. Der Community von mittlerweile rund 6.000 Frauen bietet das Netzwerk 80 Veranstaltungen pro Jahr an, eine Business-Plattform, fachliche Beiträge und jede Menge Tipps und persönliche Ratschläge.

Doch Anne Connelly hat auch eine Bitte: "Lasst uns wohlwollend, freundlich und respektvoll miteinander umgehen", rief sie den Gästen des Fondsfrauen-Gipfels zu. "Lassen wir uns nicht ablenken von dem rauen Ton, der sich rundum breit macht, in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren und Lautesten wieder zählen soll", sagte Connelly. Denn auch mit sanften Tönen kann man sich Gehör verschaffen. (am)