An der Börse gelten andere Regeln als beim Schach, schreibt Christoph Frank, geschäftsführender Gesellschafter von PFP Advisory, in einer aktuellen Kolumne für die Börse Frankfurt. Frank, der gemeinsam mit Roger Peeters unter anderem den DWS Concept Platow steuert, glaubt, dass menschliche Fondsmanager noch lange der künstlichen Intelligenz (KI) überlegen bleiben.

KI braucht perfekte Information
Anders beim Schach: Seit mit Garri Kasparow 1996 erstmals ein amtierender Weltmeister eine Schachpartie gegen eine Maschine – den Computer "Deep Blue" – verlor, haben Technik und KI ihren Siegeszug fortgesetzt. "Heute hat kein menschlicher Spieler auch nur den Hauch einer Chance gegen die Programme", stellt Frank fest.

Im Jahr vor "Deep Blue" habe er begonnen, seine Investmentstrategie auf ein stabiles Datenfundament zu stellen. Und er fragte sich damals: Würde die ganze Arbeit womöglich umsonst und der menschliche Fondsmanager schon in wenigen Jahren ein Auslaufmodell sein, ersetzt durch "Investment Deep Blues"?

Doch es kam bekanntlich anders. Zwar habe es immer wieder Versuche gegeben, automatische Handelssysteme Investmentfonds steuern zu lassen, doch der große Siegeszug im Fondsmanagement blieb aus. Franks Erklärung: "Schach ist ein Spiel mit perfekter Information." Die perfekte Information machte es seiner Meinung nach erst möglich, dass die Maschinen dem Menschen enteilen konnten.

Börse ähnelt eher Schafkopf als Schach
Die Aktienmärkte aber würden in puncto perfekter versus imperfekter Information eher Schafkopf als Schach gleichen: "Neben objektiven Daten wie Aktienkursen gibt es ungeheuer viele nicht objektivierbare, bestenfalls schätzbare, Informationen wie etwa künftige Erträge oder, noch komplexer, das Verhalten aller anderen an den Aktienmärkten tätigen Akteure." Das überfordere selbst den stärksten Computer und die beste KI.

Franks Meinung nach könnte es deshalb noch lange dauern, bis menschliche Fondsmanager in großer Zahl erfolgreich durch Maschinen ersetzt werden können. Dass die Large-Language-Modelle dafür überhaupt geeignet sind, sei ebenfalls noch nicht ausgemacht. Insofern bleibe abzuwarten, ob die Investmentbranche jemals ihren "Deep-Blue-Moment" erleben wird. (jh)