Illiquide Investments in Publikumsfonds stellen keinen Grund dar, misstrausich oder gar nervös zu werden. Dies meint Detlef Glow von Lipper, der Fondsanalyseabteilung des Finanzdatenanbieters Refinitiv. Nach der Schließung der Portfolios des britischen Starmanagers Neil Woodford war eine Diskussion über nicht an der Börse gehandelte Wertpapiere in Publikumsfonds aufgeflammt. Woodford hatte systematisch illiquide Papiere in sein Flaggschiff gepackt. Als Anleger in Scharen ihre Anteile zurückgeben wollten, musste er das Portfolio einfrieren. Die britische Finanzaufsicht FCA ermittelt in dem Fall.

Im Zuge dessen gerieten auch andere Anbieter unter Druck, die ebenfalls wenig oder gar nicht handelbare Investments in ihren Fonds hielten. Anleger ergriffen ebenfalls die Flucht aus diesen Portfolios. "Auch wenn diese Reaktion in manchen Fällen verständlich ist, überrascht doch die Höhe der Abflüsse", schreibt Glow in einem Kommentar. "Denn manche der nun unter Druck geratenen Fondsmanager hatten ihre Positionierung recht klar kundgetan."

"Keine Überraschung"
Selbst wenn die Portfoliomanager ihr Engagement in illiquiden Papieren nicht so klar dargelegt haben, sollten solche Positionen keine Überraschung für professionelle Anleger und Finanzberater darstellen, führt Glow weiter aus. "Denn es zählt zu den Aufgaben eines Fondsanalysten, den Investmentansatz eines Managers zu bewerten und die jeweiligen Risiken eines Fonds auszuloten, um eine angemessene Empfehlung abgeben zu können", argumentiert der Branchenkenner.

Einer der Fälle, auf die sich Glow in seinem Kommentar bezieht – ohne sie jedoch zu benennen – ist die Boutique H2O Asset Management. Die Gründer und Lenker Bruno Crastes und Vincent Chailley hatten in teilweise illiquide Anleihen von Unternehmen investiert, die dem Umfeld von Lars Windhorst und seiner Investmentgesellschaft Tennor zählen.

Gestürztes Wunderkind
Windhorst wurde in den 1990ern als Wunderkind gefeiert und reiste an der Seite des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl um die Welt. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase rutschte Windhorst und sein Unternehmen in die Pleite. Seither wechseln sich Comeback-Versuche mit Insolvenzen ab. Dazu gesellen sich Rechtsstreitigkeiten mit ehemaligen Partnern und Investoren.

Durch einen Artikel im Blog "FT Alphaville" der Wirtschaftszeitung "Financial Times" (FT) wurde in der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass sechs H2O-Fonds mit rund 1,4 Milliarden Euro in die zum Teil nicht gehandelten Windhorst-Papiere engagiert waren. Investoren zogen daraufhin massiv Mittel von H2O ab. Crastes und Chailley entschlossen sich daraufhin, einen Teil der Anleihen zu verkaufen und auf den übrigen Bestand Abschreibungen vorzunehmen. Im Zuge der Affäre schmolz das von der Boutique verwaltete Vermögen zeitweilig um gut fünf Milliarden Euro ab.

Fragwürdige Entscheidung
Nachdem die Windhorst-Investments bekannt wurden, setzte zudem die Fondsratinggesellschaft Morningstar die Bewertung eines der Fonds aus. Wenig später senkten die Analysten dann die Note von "Bronze" auf "Neutral". Als Grund nannten sie "Bedenken hinsichtlich der Robustheit beziehungsweise Wirksamkeit des Risikomanagements", die die Investition in illiquide Anleihen aus dem Windhorst-Umfeld aufgeworfen habe.

"Ich persönliche finde es fragwürdig, wenn eine Ratingagentur die Bewertung eines Fonds nach so einem Ereignis ändert, gerade weil der Fondsmanager nicht an unerwarteten Markt- oder Handelsaktivitäten beteiligt war und seinen Investmentstil überhaupt nicht geändert hat", schreibt Glow in seinem Kommentar – auch diesmal ohne Morningstar oder H2O beim Namen zu nennen. Ein robustes und transparentes Ratingverfahren sei wichtig, da sich viele Privatanleger an diesen unabhängigen Informationsquellen orientieren würden.

Keine strikteren Regeln nötig
Zudem verweist Glow darauf, dass einige der nun unter Druck geratenen Fonds in der Vergangenheit gute Ergebnisse abgeliefert hätten. Augenscheinlich hätten viele Anleger diese Portfolios gerade deswegen gekauft. "Dabei wissen wir alle, dass die vergangene Leistung keine Garantie für die künftige Entwicklung eines Fonds darstellt", gibt Glow zu bedenken. "Ich will damit nicht sagen, dass alle Investoren Fonds nur wegen ihrer vergangenen Performance kaufen". Er sei sich sicher, dass der Großteil der Anleger ausgeklügelte Auswahlverfahren für Fondsmanager aufgebaut habe. "Für Retail-Anleger und ihre Berater wage ich dies jedoch zu bezweifeln. Diese Anleger stützen sich bei der Auswahl oft auf Empfehlungs- oder Performancelisten", ergänzt der Fondsanalyst.

Schließlich hält Glow die derzeitigen Regeln für Publikumsfonds für ausreichend. Nach den Ucits-Vorschriften dürfen zehn Prozent des Fondsvolumens in illiquide Papiere fließen. Solange Aufseher die Einhaltung dieser Regeln prüfen und Fondsmanager im Interesse ihrer Anleger handeln, sei alles okay, meint Glow.

Nicht der letzte Fall
Die britische Finanzaufsicht hatte sich nach dem Fall Woodford für striktere Regeln ausgesprochen. Dabei hatte sie hier offenbar selbst keine gute Figur abgegeben. Zuvor hatte das Engagement des ehemaligen Managers Tim Haywood in ebenfalls illiquide Schuldtitel den Schweizer Asset Manager GAM in eine schwere Krise gestürzt. (Lesen Sie auch den Kommentar von FONDS-professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Illiquide Investments in Publikumsfonds: Mit Vorsicht zu genießen").

"Solche Fälle gab es früher und wird es auch künftig geben", schreibt Branchenkenner Glow. Der einzige Weg, so etwas zu verhindern, sei eine ausreichende Aufsicht, eine bessere Transparenz über die Engagements eines Fonds – und dass Anleger, Marktbeobachter und Ratingagenturen den Management-Stil sowie die Positionen eines Fonds regelmäßig überprüfen. (ert)