Aufgrund der Coronakrise fand die FMA-Aufsichtskonferenz dieses Jahr erstmals in einem virtuellen Format statt und wurde via Livestream über die FMA-Website übertragen. Unter dem Generalthema "Der Finanzmarkt zwischen Covid-19 und Klimarisiken – unterschiedliche Herausforderungen gemeinsame Lösungen?" diskutierten Spitzen aus Politik und Wirtschaft, Regulierung und Aufsicht, Wissenschaft und Forschung die großen aktuellen Herausforderungen und Risiken auf den Finanzmärkten.

José Manuel Campa, Vorsitzender der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA, sowie Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, gaben mit virtuellen Key-Note-Vorträgen interessante Impulse für kontroverse Debatten. Im Rahmen von zwei Gesprächsrunden wurde zum einen auf die Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie eigegangen und zum anderen auf die Klimakrise und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte. 

Noch zu früh für eine Entwarnung
"Angesichts der großen aktuellen Herausforderungen steht der österreichische Finanzmarkt nach wie vor stark und stabil da," betonte FMA-Vorstand Helmut Ettl: "Österreichs Finanzdienstleister sind auf die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie viel besser vorbereitet als sie es auf die globale Finanzkrise 2008 waren. Damals waren sie Auslöser der Krise, heute können sie einen großen Beitrag zur Lösung zumindest der wirtschaftlichen Herausforderungen leisten." Und sein Vorstandskollege Eduard Müller fügt hinzu: "Obwohl wir bereits mitten in der Rezession stecken, verfügen die Banken nach wie vor über fast 40 Milliarden Euro freier Eigenmittel, womit sie etwaige Verluste absorbieren oder ein Kreditvolumen bis zu 300 Milliarden Euro generieren können. Die Versicherungen verfügen über eine starke Solvabilität. Und der österreichische Kapitalmarkt hat sich nach den massiven Turbulenzen im März wieder weitgehend erholt.“ Es sei aber viel zu früh, Entwarnung zu geben, so Müller: „Die Krise ist noch nicht ausgestanden. Ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft werden auf den Finanzmarkt erst mit Ablaufen der Hilfsmaßnahmen durchschlagen." Der FMA-Vorstand lobte in seinen Statements die massiven Stützungs- und Hilfspakete der öffentlichen Hand für die Realwirtschaft, für private Haushalte und Unternehmen: "Sie kaufen der Realwirtschaft Zeit, um die Krise durchtauchen zu können, sie entlasten die Finanzwirtschaft, damit sie die Bewältigung der Krise kraftvoll finanzieren kann." 

Ettl und Müller sehen neben dem von der Europäischen Union gemeinsamen beschlossenen gigantischen Covid-19-Hilfs- und Sanierungspaket vor allem in dem gegen den Klimawandel gerichteten "EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums" großes Potenzial Europa aus der durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise wieder mit Schwung und Kraft herauszuführen: "Angesichts der weltweiten Rezession braucht es eine Vision, einen starken Motor, der die Wirtschaft und die Märkte wieder kraftvoll aus den Tiefen herauszieht. Ein weltweiter Kampf gegen den Klimawandel kann dieser starke Motor sein. Und es ist gut, dass hier Europa voranschreitet."

Strukturpolitik und Wirtschaftslenkung nicht Aufgabe der Finanzmarktaufsicht 
Regulierung und Aufsicht müssen auf Risikomanagement und Transparenz fokussiert bleiben. Finanzmarktaufseher und –regulatoren arbeiten jedenfalls mit Nachdruck daran, ihren Beitrag zur Umsetzung des "EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums" zu leisten: "Wir müssen die Finanzmärkte und die Geschäftsmodelle der Finanzdienstleister auf mehr Nachhaltigkeit ausrichten. Dazu brauchen wir aber klare und verlässliche Kriterien, was als nachhaltig einzustufen ist. Wir müssen zudem für eine entsprechende Transparenz sorgen, damit sich alle Marktteilnehmer zuverlässig orientieren können. Und wir müssen alles tun, um Märkte für nachhaltige Finanz- und Finanzierungsprodukte zu entwickeln und zu etablieren", so Müller.

Ettl warnte davor, Regulierung und Aufsicht zum Steuerungsinstrument für Investitionen umzufunktionieren, wie sie etwa in Form geringerer Eigenkapitalanforderungen bei Banken für ökologische Finanzierungen unter dem Schlagwort "green supporting factor" gefordert werden: "Regulierung und Aufsicht müssen auf Risikomanagement und Transparenz fokussiert bleiben, Wirtschaftslenkung und Investitionsanreize müssen mit den Mitteln der Fiskal- und Strukturpolitik gemacht werden." (gp)