Die Flutkatastrophe im vergangenen Sommer führte nicht nur zu menschlichem Leid, großen Schäden an Häusern, Autos und Heizungsanlagen: Für viele Betroffene kam auch der Verlust von Bargeld hinzu. Die Bundesbank ersetzt nun diese Scheine und Münzen im Wert von mehr als 100 Millionen Euro, berichtet das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF).

Schon seit Jahrzehnten betreibt die Bundesbank in Mainz das "Nationale Analysezentrum für beschädigtes Bargeld". Sie ist verpflichtet, den Menschen bei diversen Malheurs zu helfen und das Geld zu ersetzen, so die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Dieser Service ist für die Bürger kostenlos. Scheine und Münzen können bei Geschäftsbanken, der Bundesbank oder postalisch eingereicht werden.

Bearbeitung muss schnell erfolgen
Nach dem Erhalt der Noten werden diese einem Echtheitstest unterzogen und registriert. Es wird aber nicht jeder Geldschein akzeptiert. Damit eine Banknote ersetzt wird, müssen mindestens 50 Prozent des Scheins übrig sein. Bei "Flutgeld" gelte: "Die Bearbeitung der Noten muss so schnell wie möglich erfolgen, bevor sie verklumpen und hart wie Beton werden", zitiert der "Tagesspiegel" den Bundesbankvorstand Johannes Beermann. 

Die Bundesbank stand also vor der Herausforderung, die über 1,5 Millionen Geldscheine zu trocknen und zu zählen. Da die Zählmaschinen allerdings nicht für die nassen und dreckigen Scheine genutzt werden konnten, wurden Wäschetrockner angeschafft. So konnten die Noten von Feuchtigkeit befreit und anschließend per Hand gezählt werden, berichtet das ZDF. 

Nun werden Münzen gezählt
Ende 2021 war die Bearbeitung der Banknoten abgeschlossen. Jetzt liegt der Fokus auf der Reinigung von über 1,2 Millionen Münzen. "Der Abschluss ist bis Mitte März 2022 geplant", zitiert das ZDF Beermann. 

Die Münzen aus Bankfilialen waren in Rollen verpackt, ihre Summe konnte schnell beziffert werden. Verschmutzte und angerostete Münzen wurden in Wasser gereinigt und anschließend maschinell gezählt. Aber auch in diesem Bereich war Handarbeit gefragt: Stark verdreckte oder verrostete Münzen mussten Mitarbeiter zählen, berichtet die NZZ.

Bargeld auf Reserve
Viele Menschen hätten einen Notgroschen zu Hause, für Unwägbarkeiten oder auch für anstehende Anschaffungen, zitiert die NZZ Beermann. Mit einem Betrag von rund 35.800 Euro fällt er bei den Flutopfern allerdings sehr hoch aus: Statistisch gesehen hat ein Bundesbürger durchschnittlich nur 1.364 Euro Bargeld zu Hause. (as)