Wer hätte das gedacht: Seit sechs Jahren nimmt die Zahl der aktiven Vermögensberater kontinuierlich ab, und ausgerechnet im Jahr der Corona-Pandemie wird dieser Negativtrend gebrochen. Im Jahresvergleich stieg die Anzahl immerhin um 106 Berater. Und auch ein Blick auf die FMA-Zahlen zu den an Haftungsdächer angeschlossenen Vermittlern zeigt eine positive Tendenz. Auch hier konnte erstmals seit 2016 eine Stabilisierung erreicht werden. 

Für Hannes Dolzer, Fachverbandsobmann der Finanzdienstleister, ist das eine grundsätzlich erfreuliche Entwicklung, die es aber erst einzuordnen gelte. So ist das vergangene Jahr zwar trotz Coronakrise für die Branche ausgesprochen gut gelaufen, der Anstieg bei den Beraterzahlen kam aber auch für Dolzer überraschend: "Wertpapier- und Kreditgeschäft haben sich trotz Coronakrise aus meiner Sicht innerhalb der Branche sehr gut entwickelt. Es ist im Prinzip alles normal weitergelaufen, wobei die Digitalisierung dabei sehr geholfen hat. Woher der Anstieg bei den Beraterzahlen kommt, ist allerdings nicht ganz eindeutig."

Den Versuch einer Erklärung für den plötzlichen Zuwachs wagt Dolzer dann doch: So führt er den Beraterschwund der vergangenen Jahre vor allem auf die laufenden Verschärfungen auf regulatorischer Ebene zurück. "Wir hatten ja kaum ein Jahr, in dem keine EU-Richtlinie umgesetzt werden musste. Für viele Berater war das einfach zu viel. Der letzte große Brocken war Mifid II, seitdem ist es etwas ruhiger geworden. Vielleicht hat auch dies zu einer Erholung bei den Beraterzahlen geführt."

Bankberater wagen den Schritt in die Selbständigkeit
Aber auch ein Zulauf von ehemaligen Bankern, die sich selbstständig gemacht haben, könnte laut Dolzer für den Anstieg mitverantwortlich sein. Für diese These spricht sich auch DVAG-Vorstand Harald Pankowski aus, der aktuell auf das beste Jahr der Firmengeschichte zusteuert: "Angesichts der aktuellen Situation sind auch jüngere Bankberater aufgeschlossen dafür über ihre berufliche Zukunft nachzudenken. Es machen schließlich viele Bankfilialen dicht, und uns spielt das in die Karten. Wir haben im Moment etliche Büroeröffnungen."

Auf Ebene der Haftungsdächer zeigt ein Blick auf die FMA-Zahlen, dass im Bereich der vertraglich gebundenen Vermittler (vgV) nur ein Unternehmen im Jahresvergleich in die nächsthöhere Bandbreite aufgestiegen ist. Dabei handelt es sich um die Salzburger EFS. EFS-Vorstand Thomas Schnöll bestätigt: "Im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug die Anzahl der bei der FMA gemeldeten vgV 183, und mit Mai 2021 liegt diese bei 206. Bei den neuen Beratern handelt es sich großteils um Neueinsteiger, deren Ausbildung entsprechend begleitet wurde." Grundsätzlich blickt Schnöll trotz Coronakrise auf ein erfolg­reiches Geschäftsjahr 2020 zurück: "Im Wesentlichen konnten die Umsatzerlöse in allen Geschäftsfeldern gesteigert werden." (gp)


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