Immer wieder kommen Studien, die sich mit der sogenannten "Generation Y", kurz: "Gen Y", beschäftigen, zu ähnlichen Ergebnissen: Die heute etwa 20- bis 35-Jährigen möchten anders als die Generation ihrer Eltern ihr Leben nicht in erster Linie dem Beruf und der Karriere widmen. Stattdessen wünschen sich die "Millennials", wie die jungen Leute auch genannt werden, die Möglichkeit, Arbeit, Privat- und Familienleben gut zu verbinden, auch mal eine Auszeit nehmen zu können oder in Teilzeit tätig zu sein. Besitz und Statussymbole sind für viele Angehörige der Gen Y weniger erstrebenswert. Was das Thema Altersvorsorge und Geldanlage angeht, so zeigen sich die Millennials eher konservativ als risikofreudig. Und an einen Finanzberater stellen sie hohe Ansprüche. 

Alles nur Klischees? "Nein", sagt Psychologin Monika Müller, Gründerin und Inhaberin des Unternehmens FCM-Finanz Coaching aus Wiesbaden. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE erklärt sie, warum die Gen-Y-Vertreter trotzdem keine anderen Werte haben als ihre Eltern und Großeltern – und was für eine Art von Finanzberatung bei ihnen richtig gut ankommt. 


Frau Müller, in Studien ist oft zu lesen, dass junge Leute im Alter zwischen 20 und 35 Jahren nicht so viel arbeiten möchten wie die Generation ihrer Eltern. Besitz und Statussymbole seien den Millennials nicht wichtig, heißt es, stattdessen legten sie viel Wert auf eine gute Work-Life-Balance und Selbstverwirklichung. Haben die Angehörigen der "Gen Y" tatsächlich ganz andere Werte als die vorangehenden Generationen?

Monika Müller: Nein, nach meinem wissenschaftlichen Verständnis von Werten verändern diese sich nicht von einer Generation zur anderen. Zwar zeigen Untersuchungen tatsächlich, dass Gen-Y-Vertreter weniger arbeiten möchten. Das hätte sich die Generation ihrer Großeltern wahrscheinlich aber auch gewünscht. Diese sind zu dem Thema jedoch nie befragt worden, deshalb können wir gar nicht wissen, was sie geantwortet hätten. Auch wenn solche Studien erstellt worden wären: Die wirtschaftlichen Verhältnisse hätten ein Lebensmodell mit viel Freizeit und Teilzeitarbeit gar nicht hergegeben. Das ist nur möglich, weil wir heute nahezu Vollbeschäftigung bei einer 38-Stunden-Woche haben

Auch wenn es nicht an den Werten, sondern nur an den Lebensumständen liegt, so kommen junge Leute doch sicher mit anderen Vorstellungen in eine Finanzberatung als ihre Eltern, oder? Was wünschen sie sich? 

Müller: Vor allem möchten sie auf Augenhöhe beraten werden. Die Grundidee von Beratung ist ja, dass einer mehr weiß als ein anderer und ihm Informationsfragen stellt wie: "Was verdienen Sie?" oder "Wie viel sparen Sie?". Studien haben aber gezeigt, dass bei dieser Form der Beratung das Gehirn des Gegenübers abschaltet. Gerade junge Leute wünschen sich jedoch Impulse, um selbst zu überlegen. Sie wollen zu einer "Mitmach-Finanzberatung" eingeladen werden. 

Und wie lässt sich eine solche Mitmach-Beratung erreichen?

Müller: Mit guten, eigentlich ganz banalen Fragen. Berater können sich etwa danach erkundigen, ob und wann ein Kunde schon einmal eine gute Finanzentscheidung getroffen hat und wie es dazu kam. Auf diese Art entwickelt sich ein Gespräch, an dem das Gegenüber aktiv mitwirken und eigene Ideen einbringen kann. Das brauchen gerade junge Leute, weil sie in viel kürzeren zeitlichen Abständen sehr viel komplexere Entscheidungen zu treffen haben als ältere. So mieten sie vielleicht zum ersten Mal eine Wohnung, bekommen Bafög, treten einen Beruf an, nehmen einen Kredit auf, finanzieren eine Immobilie. Das bedeutet, junge Leute brauchen Finanzplanung, Begleitung, mit dem bloßen Verkauf von Produkten ist es nicht getan. Gute Tools, mit denen sich junge Kunden anhand eines Fragenkatalogs in Sachen Finanzen selbst kennenlernen, können übrigens auch sehr hilfreich sein. Sie liefern viel tiefer gehende Informationen als die übliche Geeignetheitsprüfung und sind ein spannender Auftakt für ein Gespräch. 

Wünschen sich junge Leute eigentlich auch junge Finanzberater?

Müller: Zumindest wünschen sie sich Berater, die mit ihnen zusammen zu einer Lösung kommen möchten. Wichtig ist es, sich in das Gegenüber möglichst hinein zu versetzen, auch wenn der Berater eher der Elterngeneration angehört. Junge Leute wollen keinen "Papa" oder eine "Mama", die ihnen zeigen, wo es langgeht. Sie wollten auch kein kumpelhaftes Verhältnis zu ihrem Finanzberater, sondern jemanden, der ihnen neutral zur Seite steht, einen Coach. 

Das funktioniert aber eher in der Honorarberatung, die zumindest auf den ersten Blick teuer erscheint.

Müller: Ja, wenn ich zum Beispiel meinen Praktikantinnen mit der Honorarberatung komme, erklären sie oft, das könnten sie sich nicht leisten. Ich sage ihnen dann, dass sie es sich gar nicht leisten können, auf eine solche Beratung zu verzichten. Und man kann sich eine Honorarberatung doch auch mal von den Großeltern zu Weihnachten schenken lassen.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)