Österreichische Finanzexperten beraten ihre Kunden im Schnitt zu 3,83 Themen beziehungsweise Produktkategorien. Damit liegen sie zwar im europäischen Durchschnitt, jedoch weit hinter ihren deutschen oder tschechischen Pendants, die Beratung zu jeweils 4,59 beziehungsweise 4,34 Themen anbieten. Das berichtet der österreichische Verband der Finanzplaner anlässlich einer Untersuchung der European Financial Planning Association (EFPA).

"Während die heimischen Finanzberater sehr stark auf die drei Klassiker Investments, Versicherungen und Hypotheken setzen, hinken sie beispielsweise beim Thema Nachfolgeplanung weit hinterher", so Otto Lucius, Vorstandsmitglied im österreichischen Verband der Financial Planners. 48 Prozent der Befragten bieten Nachfolgeberatung an. In Frankreich und Großbritannien sind es hingegen 89 und 88 Prozent.

Keine Experten für "eh alles"
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass österreichische Berater viel eher Grenzen bei der ganzheitlichen Beratung sehen: 72 Prozent gaben an, es sei unmöglich, tiefgreifende Kenntnisse in wirklich allen Gebieten zu haben. Im europäischen Durchschnitt waren nur 45 Prozent der Befragten dieser Meinung. Österreichische Berater würden bei Spezialthemen eher dazu neigen, externe Fachleute hinzuzuziehen, was beim Verband als positiv betrachtet wird.

Die EFPA-Umfrage zeigt einen weiteren Trend: Die europäischen Finanzberater haben die Millennials als wichtige Zielgruppe und als Mitarbeiter identifiziert. Insgesamt gaben 43 Prozent der Befragten an, dass ihr Arbeitgeber Anstrengungen unternimmt, um die in den 1980er oder 1990ern geborenen "Jahrtausender" mit dem Thema Finanzberatung in Berührung zu bringen. Österreich liegt hier mit 41 Prozent nahe dem Durchschnitt. Das Durchschnittsalter der Finanzberater ist deutlich höher als das der Millennials, es liegt europaweit, genauso wie auch in Österreich, bei 47 Jahren.

Kein Robo-Hype in Sicht
Die Frage, ob ihre Gesellschaft oder ihr Arbeitgeber in Erwägung ziehen würde, einen Robo Advisor zu entwickeln, beantworteten international lediglich 32 Prozent mit Ja, in Österreich sogar nur 22 Prozent. Und wenn, dann geht es eher um "Assisted Robo Advisors", also Systeme, die gemeinsam mit einem Berater aus Fleisch und Blut zum Einsatz kommen. Dennoch herrscht europaweit Einigkeit, dass digitale Technologien einen Mehrwert bringen. In Österreich sind allerdings nur drei Viertel der Berater dieser Meinung; das ist gemeinsam mit Polen der niedrigste Wert in Europa, wie es beim österreichischen Verband der Financial Planners heißt.

Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage, die im Frühjahr 2019 unter Finanzberatern durchgeführt wurde, die mindestens eine der drei EFPA-Zertifizierungen EIP, EFA oder EFP besitzen. (eml)