Das Depot mit einem Gegenwert von rund 10.000 Euro enthält zwei Aktien- und einen offenen Immobilienfonds. Dass der Depotausweis für 2018 ein kleines Minus von 2,4 Prozent zeigt, erstaunt den Kunden nicht, angesichts des Börsenbebens zum Jahresende hatte er mit Schlimmerem gerechnet. Doch dann blättert der Anleger weiter – und stößt auf den erstmals veröffentlichten "Kostenbericht". Dem entnimmt er, dass sein Depot eigentlich ein winziges Plus in Höhe von 24,36 Euro erwirtschaftet hätte, erst die Produkt- und Dienstleistungskosten bewirkten das Minus. Und plötzlich werden diese – an sich geringen – Kosten zum Ärgernis.

Wie viele der Kunden, die dieser Tage den Ex-post-Kostenausweis ihres Depots erhalten, auf diese Weise irritiert werden, lässt sich nicht feststellen. Dass die Zahl aber beträchtlich sein könnte, lässt das Zögern der Banken und anderen Wertpapierdienstleister, die diese Kostendarstellungen erstmals liefern müssen, vermuten. Die Branche ist über die neue Transparenz nicht wirklich erfreut, weil sie den damit verbundenen Aufwand für unverhältnismäßig hält. "Was die Kunden bisher gesehen haben, war ja auch schon sehr transparent. Man muss ganz klar festhalten, dass hier ein Aufwand betrieben wird, der sehr viel kostet und dem Endkunden letztendlich wenig bis gar nichts bringt", kritisiert Peter Gross, Geschäftsführer des Vermögensverwalters und Haftungsdachs Privatconsult. Ähnlich sieht man das bei der Fondsplattform FFB, deren Geschäftsführer Peter Nonner meint: "Der Ex-post-Kostenausweis bedeutet für den Endkunden eine totale Überfrachtung mit Information und schießt übers Ziel hinaus. Die Berater müssen sich trotzdem mit dem Thema beschäftigen und aktiv auf die Kunden zugehen. Gerade Kunden, bei denen man weiß, dass es zu Nachfragen kommen wird, sollten proaktiv angesprochen werden."

Doch mögliche Diskussionen mit Kunden sind nicht das Einzige, was die Branche umtreibt. Schließlich dürften die Berater inzwischen gelernt haben, dem Kunden zu vermitteln, dass ihre Dienstleistung einen Wert hat, der bezahlt werden muss. Viel ärgerlicher ist, dass Transparenz und Vergleichbarkeit oft nur suggeriert werden; erstens wegen fehlender Standards für die Dar­stellung und zweitens weil die dahinter­liegenden Daten zum Teil veraltet oder ­irreführend sind.

Dass es um den Ex-post-Kostenausweis trotzdem immer noch so ruhig ist, hat einen einfachen Grund: Die allerwenigsten Depotbanken haben das Dokument schon verschickt. Anfang Mai ergab eine Umfrage von FONDS professionell, dass nur zwei der sieben führenden Fondsplattformen den Ex-post-Kostenausweis bereits versandt hatten. Eine davon ist die FFB, bereits Mitte April wurde dort laut Nonner damit begonnen, die Kunden und Vertriebspartner mit den entsprechenden ­Unterlagen zu beliefern. Und zumindest vorerst gibt es von Seiten der Fondsplattform Entwarnung. FFB-Sales-Director Ronald Holzmann berichtet, dass es bis Anfang Mai noch keinerlei Rückfragen von Endkunden zum Ex-post-Kostenausweis gab. Das mag allerdings auch daran liegen, dass 90 Prozent der FFB-Klientel ­Onlinekunden sind und diese den Kostenausweis in ihr Onlinepostfach geliefert bekommen. Ob die Nachricht auch gelesen wurde, ist nicht bekannt. 

Versäumte Frist?
Dass die Kostenaufstellungen mehrheitlich noch nicht übermittelt wurden, ist insofern überraschend, als von den Depotbanken zu hören war, dass sie den Kostenausweis im Januar verschicken wollten. So hatte die Branche die zeitliche Vorgabe der Regulierer, der EU-Kommission und der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, größtenteils verstanden. Immerhin haben Wertpapierdienstleister ihren Kunden nach Artikel 50 der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565 die Ex-post-Kosteninformationen mindestens einmal im Jahr zur Verfügung zu stellen.

Die Mifid II trat bekanntlich am 3. Januar 2018 in Kraft. Ist die Jahresfrist also längst abgelaufen? So einfach lässt sich das laut Günther Ritzinger, Geschäftsführer von Kapitalmarkt Consult (KCU), nicht beantworten, der Teufel stecke im Detail. So steht im Gesetz selbst nur der Passus, dass die Lieferung an den Kunden einmal jährlich erfolgen muss. Da­rüber, was in diesem Zusammenhang "jährlich" bedeutet, kann man laut Ritzinger allerdings durchaus streiten: "Wenn ich einen Kunden ab März 2018 betreue, muss ich ihm dann im März 2019 oder schon per 31. 12. 2018 beziehungsweise im ersten Quartal den Kostenausweis liefern, oder kann ich mir ab März 2019 gar bis zu sechs Monate Zeit lassen? Da gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Fest steht aus heutiger Sicht jedoch, dass sechs Monate ein zu langer Zeitraum sind. Laut FMA sollte in einer relativ angemessenen Frist nach Abschluss des Stichtags, unabhängig vom Kalenderjahr, der Versand erfolgen. Im Idealfall sollte das also im Folgequartal des Stichtags sein."

Dass dieser zeitliche Rahmen beim erstmaligen Versand kaum einzuhalten ist, dürfte auch der Aufsichtsbehörde bewusst sein. Im Rahmen einer Wirtschaftskammerveranstaltung ließ sie daher schon anklingen, dass Wertpapierfirmen erst im dritten Quartal 2019 mit Überprüfungen in diesem Bereich zu rechnen haben. Und diese Galgenfrist können sowohl die Wertpapierfirmen als auch die Depotbanken gut gebrauchen, denn die Erstellung der Ex-post-Kostenberichte stellt sich in der Praxis leider als sehr komplexes Unterfangen dar.  (gp)


Den gesamten Artikel zum Thema Ex-post-Kostenausweis finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2019 von FONDS professionell.