Der Hauptgrund, bei Anlageentscheidungen den Klimawandel zu berücksichtigen, ist persönliche Überzeugung. 43 Prozent nannten diesen Punkt bei einer Umfrage der Privatbank Berenberg unter institutionellen Anlegern, Vermögensverwaltern und Privatanlegern, an der sich vor allem Investoren aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich beteiligten. 37 Prozent der Befragten nannten politische und regulatorische Bedingungen. Und nur für 14 Prozent geht es in erster Linie darum, die Risiken zu senken oder höhere Renditen zu erzielen. "Angesichts der eindeutigen Risiken des Klimawandels könnte das Ergebnis darauf hindeuten, dass es Anlegern schwerfällt, finanzielle Risiken dieses Wandels umfassend zu berücksichtigen", analysiert Rupini Deepa Rajagopalan, Leiterin der ESG-Abteilung bei Berenberg.

Schwache ESG-Bewertungen sind trotz der hohen Ansprüche für die meisten Anleger kein hartes Ausschlusskriterium: 87 Prozent sagen, dass sie auch in ein Unternehmen investieren würden, das in Bezug auf ESG-Faktoren schlecht abschneidet – wenn dieses Unternehmen zugleich ankündigt, sich zu bessern. Die Anleger vertrauen offenbar nicht nur auf solche Ankündigungen, sondern misstrauen auch schwachen ESG-Bewertungen, vermissen einheitliche Methoden zur Bewertung, ausreichende Daten und gemeinsame Standards. "Angesichts solcher Mängel ist es nachvollziehbar, dass die Befragten bereit sind, auch Investments in Unternehmen mit niedriger ESG-Bewertung zu tätigen", argumentiert die ESG-Expertin. "Allerdings müssen diese Unternehmen glaubwürdige und messbare Verpflichtungen zu einer Verbesserung ihrer ESG-Anstrengungen eingehen."

Frieden und Energieversorgung werden wichtiger
Die aktuelle Weltlage hat die Einstellung vieler Anleger gegenüber den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen verändert. Die drei wichtigsten SDGs sind laut Umfrage nun SDG 13 "Maßnahmen zum Klimaschutz", SDG 7 "Bezahlbare und saubere Energie" und SDG 16 "Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen". Die beiden Letztgenannten haben im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung gewonnen. "Die diesjährigen Ergebnisse lassen darauf schließen, dass geopolitische und makroökonomische Ereignisse starken Einfluss auf Anleger haben – mit potenziellen Auswirkungen auf ihre Anlageentscheidungen", sagt Rajagopalan. (fp)