Die IDD Akademie hat einen Lehrgang zum zertifizierten Ruhestandsplaner entwickelt. Es ist die erste österreichische Ausbildung mit Fokus auf umfassende Wohlstandssicherung im Alter, wie bei der Präsentation in Wien zu erfahren war. Neben Finanzthemen behandelt das Programm auch gesundheitliche und rechtliche Fragestellungen.

Der Lehrgang richtet sich an ein breites berufliches Spektrum. Neben Versicherungsvermittlern und Vermögensberatern zählen dazu auch Anwälte, Notare, Steuerberater, Immobilienexperten, Lebensberater und weitere Berufsgruppen. "Wir wollen das ganzheitlich sehen. Der zertifizierte Ruhestandsplaner soll die beste Ansprechstelle für Bürgerinnen und Bürger werden, die eine optimale Beratung erwarten", so Christian Schäfer, Gesellschafter der IDD Akademie.

Lösungen für Altersthemen
Projektinitiator und IDD-Akademie-Gesellschafter Rudolf Mittendorfer erwartet langfristig den Aufbau eines interdisziplinären Netzwerks, "in dem Kunden dort weitervermittelt werden können, wo die eigene Befugnis endet." Bei spezifischen Altersthemen – bis hin zur Demenz – gebe es Lösungen, die dem Einzelnen oft nicht bekannt sind. Hier soll die Ausbildung Zugänge schaffen.

Im September 2026 startet der erste Durchgang; er ist mit gut 30 Teilnehmern ausgebucht. Vorgesehen sind 200 Unterrichtsstunden über zwei Semester. Am Ende steht eine zweiteilige Prüfung mit Fallbeispielsbearbeitung und Wissenstest. Abgenommen wird sie vom Normierungsinstitut Austrian Standards, das den Lehrgang zertifiziert. Nach drei Jahren – so lang gilt das Zertifikat – ist eine 24-stündige Weiterbildung für eine Verlängerung nötig. Die Kosten betragen 5.800 Euro plus Umsatzsteuer. Vorerst sind ausschließlich Präsenztermine geplant.

Kritik am Staat
Kritik übte Mittendorfer an der Politik. Seit Jahrzehnten fehle eine angemessene Förderung der privaten Vorsorge. Es sei "Betrug an den Jungen", ihnen die finanzielle Situation im Alter nicht realistisch zu kommunizieren. Wenn der Staat etwa die jährliche Information über das Pensionskonto erst ab einem Alter von 55 Jahren ausschickt, sei das zu spät, um mit privater Vorsorge ausreichend darauf zu reagieren.

In der Ausbildung werde aber nicht das staatliche Umlageverfahren gegen die private Vorsorge ausgespielt, betonte Mittendorfer. Die Absolventinnen und Absolventen sollen hingegen in der Lage sein, die Gesamtsituation interdisziplinär zu bewerten – von Demografie und staatlichen Leistungen, über die Auswirkungen von Erwerbsbiografien bis hin zum Verständnis über Zinsmechanismen.

Berufsbild in anderen Staaten 
In anderen Ländern gibt es ähnliche Berufsbilder bereits seit Langem. Zertifizierte Ruhestandsplaner kennt man in Deutschland, und in den USA gibt es Diplome wie den Retirement Income Certified Professional (RICP) oder den Chartered Retirement Planning Counselor (CRPC) und es gibt CFP-Berater mit Ruhestandsspezialisierung. In Australien gibt es den Retirement Planning Adviser. (eml)