Die Kursstürze an den Börsen im März aufgrund der globalen Covid-19-Krise haben auch bei den Fondsgesellschaften einen enormen Einbruch beim verwalteten Vermögen gebracht. Doch mittlerweile scheint wieder viel Selbstvertrauen eingekehrt zu sein. "Wir haben gesehen, dass die Privatanleger während der Korrektur den Fonds treu geblieben sind. Neben dem Retailgeschäft ist mittlerweile auch das institutionelle Geschäft wieder sehr stark. Wir gehen daher davon aus, dass wir beim verwalteten Vermögen heuer zumindest wieder das Niveau des Vorjahres sehen und sogar darüber hinaus", zeigte sich Paul Severin, Kommunikationschef der Erste AM, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (6. August) zuversichtlich.

Einbruch und Erholung
Die Erste AM ist mit rund 35,4 Milliarden Euro (Zahlen VÖIG) an Fondsvermögen die größte Verwaltungsgesellschaft des Landes. Sie liegt aber nach den Corona-Wirren nur noch knapp vor der Raiffeisen KAG (derzeit rund 34,5 Milliarden), zu der es am Jahresbeginn noch einen deutlich höheren "Respektabstand" gab.

Am österreichischen Gesamtmarkt war im März das Fondsvolumen auf 164,1 Milliarden Euro eingebrochen. Im Jänner waren es noch 186,5 Milliarden gewesen. Inzwischen gab es wieder eine Erholung auf 176,9 Milliarden Euro. Netto (Fondszukäufe minus Verkäufe) verzeichneten im März die Fondsgesellschaften des Landes einen massiven Abfluss von 3,2 Milliarden Euro in Retailfonds, institutionellen Publikumsfonds so wie in Spezialfonds. Der höchste Netto-Abfluss kam dabei mit fast zwei Milliarden in den Retailfonds zustande.

Unterschiede zu früherem Anlegerverhalten
Die Experten der Erste Asset Management sind mit dem Verhalten der Anleger dennoch sehr zufrieden. Immerhin hätte der Abfluss mit Blick auf frühere Korrekturphasen auch höher sein können. Die meisten Anleger seien in der sehr schweren Korrektur dem Produkt Investmentfonds treu geblieben und viele hätten sogar zugekauft. "Das interessante war, dass gerade Aktien und Mischfonds, die eher progressiver ausgestattet sind, zugekauft wurden. Das ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren wirklich ein Unterschied. Die Leute trauen sich wieder in die Aktien reinzugehen“, so Severin. Der Fonds bleibe mit Blick auf die niedrigen Zinsen am Sparbuch ein "sehr populäres Anlageprodukt".

Helfen dürfte dem Image des Fonds diesmal auch, dass im Unterschied zu vergangenen Krisen der Fondsmarkt deutlich "aufgeräumter" ist. Aufsicht und Regulierung haben zuletzt ganz genau geschaut, wie seriös die Produkte sind und an welche Personen gewisse Risikoklassen vertrieben werden. Auch bei der Erste AM haben etliche Publikumsmagneten nun Resilienz-Qualitäten bewiesen. Das im Vorjahr sehr stark beworbene und über den Bankschalter kräftig auch als Fondssparplan vertriebene Produkt Future Invest liegt mit 8,7 Prozent im Plus. Der Erste Stock Techno profitierte mit gut elf Prozent, weil er auf die Gewinnerbranchen der Corona-Krise setzte und der Erste WWF Stock Environment, mit dem man seit Jahresbeginn auf knapp 18 Prozent Rendite kommt, dürfte auch die Bereitschaft der Anleger, in nachhaltige Produkte zu gehen, weiter anregen (Zahlen per Ende Juli).  

Neuer Fonds
Apropos grüne Fonds: Der bereits vor längerem präsentierte Aktienfonds Erste Green Invest,  der in Umwelttechnologie-Unternehmen investiert, ging nach Ende der Zeichnungsfrist diese Woche an den Start. Er kann auch als Fondssparplan oder in einem Fondsplanmix erworben werden.

Im Vertrieb setze man hier weiter stark auf die Sparkassen und Erste-Filialen. Zu 70 bis 80 Prozent würden die Fonds noch direkt am Bankschalter abgesetzt, während Online mit mittlerweile bis zu 30 Prozent einen immer stärkeren Anteil einnimmt, wie Severin gegenüber FONDS professionell ONLINE sagte.

"Deutliche wirtschaftliche Erholung"
Relativ positiv ist man derzeit nicht nur absatzmäßig gestimmt. Auch das Investment-Team der Erste AM legt viel Zuversicht an den Tag. Alexander Lechner, Leiter Leiter Multi Asset Management, erwartet für 2021 und 2022 eine deutliche wirtschaftliche Erholung. An Aktien bzw. Aktienfonds oder progressiven Mischfonds führe daher kein Weg vorbei. Unternehmensgewinne hätten vor allem in den USA positiv überrascht und im Bereich grüne Energie gebe es, getrieben nicht zuletzt durch den Aktionsplan der EU, Chancen für neue Investments.

"Auch kreditrisikobehaftete Anleihen gefallen uns. Bei Unternehmensanleihen ist Rendite zu Risiko nach wie vor attraktiv, obwohl die Ausfallsraten angestiegen sind", so Lechner. Weniger attraktiv seien hingegen Staatsanleihen sicherer Ländern. Sie hätten zwar im März in gemischten Fonds ihren Stellenwert als Stabilisierungsfaktor bewiesen, aber kommen wegen der negativen Renditen kaum mehr in Betracht. Gold spiele laut Lechner hingegen in gemischten Portfolios weiter eine Rolle, wenngleich der Kurs hier zuletzt Rekordhöhen erklommen hat. Solange die Realzinsen derart tief sind, habe Gold zur Diversifizierung einen Stellenwert.

Fiskalpolitik beispiellos
Das angesprochene Zinsniveau macht Lechner genau so Kopfzerbrechen, wie die hohen Verschuldungsniveaus der Staaten und der Rückbau der Globalisierung. Gleichzeitig bleibt er aufgrund der hohen staatlichen Hilfsbereitschaft, positiv: "Das Echo von 2008 hat während der Corona-Krise sofort die Regierungen und Zentralbanken auf den Plan gerufen. Anders als 2008 wurden Maßnahmen diesmal sehr schnell gesetzt. Beispielslos ist die Raschheit von Ankündigung und Umsetzung so wie des Umfangs", so Lechner.

Beispielslos sei insbesondere aber die Fiskalpolitik gewesen. Während 2008 hauptsächlich die Notenbenken versuchten über die Geldpolitik zu steuern, engagieren sich diesmal die Staaten mit sehr großen Summen. In den USA wurde ein Hilfspaket im Ausmaß von 2.300 Milliarden Dollar geschnürt, das entspricht rund elf Prozent der Wirtschaftsleistung. In der EU wurde der Wiederaufbaufonds mit 750 Milliarden Euro dotiert. Dass 30 Prozent des Fondsgeldes in nachhaltige Projekte investiert werden soll, sei ein weiterer Grund, den Bereich ESG auch beim Investieren stärker zu berücksichtigen. (eml)